Ohne Charles anzuschauen, sagte Rochelle: ?Der n?chste Angriff wird mein letzter sein. Egal, was passiert: Renn so schnell du kannst aus dem Wald! Such die n?chste Stadt und hol Hilfe! Hast du verstanden, Charles?“
Dieser warf seinen Arm zur Seite und erwiderte: ?Auf keinen Fall! Bist du verrückt? Rochelle, du hast nur noch ein Auge und kannst deine Vorhersage nicht mehr einsetzen. Trotzdem willst du weiterk?mpfen? Und dann soll ich dich auch noch alleine zurücklassen?“
Mit hochgezogenem Mundwinkel legte Maya ihren Kopf schief, stützte eine Hand auf die Hüfte und hob die Handfl?che der anderen.
?Mein Liebling hat recht. Sei vernünftig und gib auf! Was bleibt dir denn noch übrig?“
Ein breites Grinsen erschien auf Rochelles verschwitztem Gesicht.
?Falls ich richtig gez?hlt habe, dann genauso viel wie dir.“
Daraufhin fing Maya laut an zu lachen.
?Bist du durch den Schmerz etwa schon komplett durchgedreht, oder was?“
W?hrend sie Maya anstarrte, packte Rochelle das T-Shirt von Charles und zog ihn zu sich heran. Sie atmete tief durch, und ihr Gesicht n?herte sich dem von Charles. Pl?tzlich spürte Charles etwas Weiches auf seinen Lippen. Seine Augen weiteten sich. Es war ein Kuss. Unverkennbar wurde er gerade geküsst. Als Rochelle ihn wieder loslie?, stand Charles wie erstarrt da und sah sie mit offenem Mund an. Sein Kopf war komplett leergefegt.
?Oh, ich habe mich wohl verz?hlt. Scheint so, als h?tte ich mehr als du.“
Sie strich mit ihren Fingern über die Lippen.
?Und zwar Charles ersten Kuss.“
Die Augen weit ge?ffnet, starrte Maya regungslos zu Rochelle. Ihre Pupillen wirkten leer. Fast wie ein schwarzes Loch, das alles um sich herum aufsaugte.
?Du …“
Sie ballte die F?uste und rasch entbrannte in ihren lilafarbenen Pupillen ein wildes Feuer, das Charles erschaudern lie?. Schreiend stürmte Maya auf Rochelle zu: ?Du kleine Schlampe!“
?Jetzt lauf, du Idiot!“, sagte Rochelle, schubste Charles beiseite und holte zum Schlag aus.
Kurz darauf donnerten ihre F?uste auf die Wange der jeweils anderen. Beide drohten, nach hinten zu taumeln, doch Rochelle krallte sich am Pullover von Maya fest. Diese tat es ihrer Gegnerin gleich und so hinderten sie sich gegenseitig daran, umzufallen. Rochelle hob ihren Kopf. Blut tropfte von ihrer Lippe. Trotzdem war ihr L?cheln nicht verschwunden.
?Siehst du? Wir beide haben nur eine Faust übrig.“
?Halt deine Schei?fresse, du Hure!“
Mit einem Kampfschrei zogen sich die M?dchen zueinander und entfesselten einen Hagelsturm an Schl?gen.
Das ist also ihr Plan … Rochelle provoziert Maya und zwingt sie dann in einen reinen Faustkampf. So ist es vollkommen egal, ob Rochelle blo? ein Auge hat. Sie klammert sich an Mayas Kleidung fest und kann so gar nicht verfehlen. Echt genial!
Charles' Augenbrauen spitzen sich zu.
Ab jetzt kommt es rein auf die Ausdauer an. Wer von beiden will diesen Sieg mehr?
Eine ganze Weile lang war blo? das dumpfe Ger?usch von Knochen zu h?ren, die voller Wucht aufeinanderprallten. Schlag um Schlag, ohne dass eine von beiden zurückwich. Der Boden unter Ihnen bedeckte sich allm?hlich mit Blut. Abrupt stoppte Maya, griff sich den Kragen von Rochelles Oberteil und legte ihren Kopf in den Nacken. Blitzschnell reagierte Rochelle, die gerade zu einem weiteren Schlag ausholte, und ahmte ihre Gegnerin nach. Exakt im selben Moment prallten die K?pfe der Konkurrentinnen gegeneinander und sie sackten zusammen. Der Atem von Charles stockte. Weder Maya noch Rochelle schienen sich zu bewegen. Sekunden wurden zu Minuten, ohne dass eine von ihnen auch nur zuckte. An die jeweils andere gelehnt, schienen sie bewusstlos zu sein. Gerade als Charles einen Schritt nach vorne machen wollte, schreckten die M?dchen auf. Sofort sprangen sich die zwei an die Kehle und rollten über den Waldboden. Es dauerte nicht lange, bis Rochelle die Oberhand gewann und nun auf Mayas Bauch sa?. Reflexartig l?sten sie sich voneinander, rieben sich den Hals und rangen nach Luft. Ihre K?rper waren bedeckt mit Dreck. Blut tropfte aus ihren ramponierten Gesichtern. Von der ehemaligen Sch?nheit der M?dchen sah man kaum noch etwas. Kurzweilig war nur das Atmen der beiden zu h?ren, ehe Maya r?chelte: ?Wei?t du, Rochelle … ich konnte dich noch nie leiden k?nnen. Die Art, wie du deine Haare tr?gst. Wie du die Unschuldige spielst und dich immer in Wei? kleidest, obwohl wir zwei ganz genau wissen, dass du ein dreckiges M?dchen bist.“
Dreckig? Was meint sie damit? Inwiefern ist Rochelle ein …
Als Charles zu Rochelle schaute, erstarrte er. Der Gesichtsausdruck von Rochelle war anders als alles, was Charles je von ihr gesehen hatte. Kreidebleich im Gesicht war ihr Auge sperrangelweit offen. Tr?nen sammelten sich an ihren Wimpern und fielen leise auf Mayas ausgeleierten Rollkragenpullover.
?D-du schreckst wirklich vor nichts zurück, oder? Aber es ist mir egal, was jemand wie du von mir denkt. Als ich in dieses Waisenhaus gekommen bin, habe ich mir geschworen, dass nur ich allein die Kontrolle über mein Leben haben werde und niemand sonst.“
Sie lie? ihren Kopf h?ngen.
?Niemals wieder.“
Anschlie?end hob Rochelle ihren Blick.
?Charles und ich verschwinden heute Abend von hier! Ob es dir nun passt oder nicht!“
Auf einmal folgte ein Kinnhaken, der Rochelle von Maya runterwarf, die sich umgehend auf sie stürzte. Ein L?cheln erschien auf Mayas Gesicht und sie krallte sich an der Schulter von Rochelle fest. Diese durchzog daraufhin ein Zittern. Sie wollte Mayas Arm wegsto?en, doch diese holte bereits aus. Reflexartig verschr?nkte Rochelle die Arme vor dem Gesicht.
?Wenn du verschwinden willst, dann hau ab!“
Gleich darauf rammte Maya ihre Faust mit aller Kraft auf die Arme von Rochelle.
?Aber … Charles … bleibt … hier!“
Mit jedem Wort lie? sie einen weiteren Schlag auf Rochelle niederfahren. Vollkommen hilflos dem gewaltt?tigen Rausch von Maya ausgesetzt, blieb Rochelle nichts anderes übrig, als zu blocken. Die Kn?chel von Maya schlitzen ihr regelrecht die Haut auf und schon bald flossen vereinzelte Bluttropfen ihren Unterarm entlang. Charles biss sich auf die Lippe und ballte die F?uste. Unf?hig, einzugreifen, musste er mit ansehen, wie seine Kameradin unter dem Ansturm von Schl?gen regelrecht begraben wurde. Nach einer Weile schien Maya jedoch die Puste auszugehen. Sogleich ergriff Rochelle ihre Gelegenheit und schnappte sich die Arme von Maya.
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?Ich versteh das nicht. Warum bist du so besessen von ihm? Es ist mehr als offensichtlich, dass er gar nicht mit dir zusammen sein will. Kannst du ihn nicht einfach gehen lassen?“
?Denkst du, ich lasse ihn laufen, nachdem ich extra sein Haus angezündet habe, damit er hierherkommt?“
Das Auge von Rochelle riss sich schlagartig auf.
?W-Was hast du …?“, entwich leise ihrem offenstehenden Mund.
Ihr Griff l?ste sich. Als Maya zu realisieren schien, was sie gerade gesagt hatte, weiteten sich auch ihre Augen. Sie schreckte zurück und hielt sich den Mund zu. Langsam drehte Maya den Kopf zur Seite. Was sie dort erblickte, lie? Maya erzittern. Charles stand regungslos da. Die Augen weit offen. Allerdings leblos. Sein Gesicht zeigte keinerlei Emotion. Wie als w?re die Flamme, die ihn am Leben erhalten h?tte, komplett erloschen. In seinem Kopf flogen tausend Gedanken umher, doch keiner wollte Fu? fassen. Mit Tr?nen in den Augen wollte Maya zu Charles rennen, wurde aber von Rochelle aufgehalten, die ihren Bauch umklammerte.
?B-bitte, versteh das nicht falsch … Es … es war ein Unfall, Charles. G-genau deshalb brauchen wir Kontrolle, oder nicht? Wenn man dem Leben seinen Lauf l?sst, passieren Unf?lle, welche uns die Personen nehmen, die wir am meisten lieben. Und das will ich nicht. Ich m?chte … ich will dich nicht verlieren, Charles, weil ich dich liebe“, sagte Maya, w?hrend sie einen Arm nach ihm ausstreckte.
Langsam ?ffnete Charles den Mund.
?Wie kannst du sowas sagen?“
Mittlerweile ballte er seine F?uste so fest, dass Blut aus ihnen heraustropfte.
?Wie verdammt nochmal kannst du behaupten, dass du mich liebst? Hast du eine Ahnung davon, was ich wegen dir durchgemacht habe? Wie verzweifelt ich war?“
Wortlos tropfte Maya das Blut vom Gesicht.
?Antworte!“, schrie er.
?I-ich … es … i-ich“, stammelte Maya.
Ihre Lippen zitterten zu sehr, um weitere Worte herauszubringen. Die Tr?nen rannen ihr unaufh?rlich übers Gesicht.
?Du hast mein Leben zerst?rt. Meine Eltern … mein Zuhause … einfach alles.“
Seine Sicht verschwamm vor lauter Tr?nen.
?Ich … ich … ich hasse dich!“, schrie Charles und lie? sich auf die Knie fallen. Er beugte sich nach vorn und stützte sich mit einer Hand auf den Boden. Erst kraftlos, dann zunehmend st?rker, schlug Charles mit seiner blutigen Faust immer und immer wieder auf den Waldboden.
?Alles, was ich besa?, alles, was mir etwas bedeutete, alles, was ich bisher kannte, existiert nicht mehr. Und das dank dir!“
Schluchzend rollte Charles sich zusammen und nahm seine H?nde hinter den Kopf. Seine Gedanken waren so durcheinander, dass sie ihn fast zu erdrosseln drohten. Für einen Moment verharrte er in dieser Position, bevor Charles den Oberk?rper aufrichtete und seinen Kopf hob. In seinen Augen waren keinerlei Emotionen zu erkennen. Still liefen ihm die Tr?nen über die Wangen, w?hrend er Maya anstarrte.
?Du hast mich vernichtet, Maya.“
Um ihn herum schien sich die Atmosph?re zu ver?ndern. Die Luft flimmerte. Es war, als würde die Hitze, die in ihm herrschte, versuchen auszubrechen. Dann erschienen sie: rote Flammen, die von seinem bebenden K?rper ausgingen und langsam in den Himmel tanzten. Er stemmte seine Hand aufs Knie, um sich nach oben zu drücken. W?hrend Charles mit einer Hand auf Maya zielte, sagte er: ?M?rder oder nicht. Das spielt keine Rolle mehr. Es sind nur noch W?rter für mich. Von jetzt an ist mir alles egal. Das Einzige, was noch z?hlt, ist, dass du nicht mehr atmest.“
An seiner Handfl?che formten sich Flammen.
?Stirb, Maya Custos!“
Ein gewaltiger Feuerball schoss aus seiner Hand und raste durch den Wald. Alles, was sich ihm in den Weg stellte, wurde zu Asche oder ging in Flammen auf. Auch umherliegende Büsche, ?ste und Gras fingen Feuer. Erst als es auf einen massiven Baumstamm traf, zersplitterte das Feuer in kleinere Funken und verglomm letztendlich. Gerade so konnte Maya mit Rochelle zur Seite rollen, die sich am Arm verbrannte. Mit schmerzverzogenem Gesicht richtete sich Rochelle auf und hielt ihre Wunde. Nachdem Maya ihre Tr?nen weggewischt hatte, atmete sie einmal tief durch und erhob sich. Ihr Zittern war verschwunden und sie blickte zu Charles.
?Hat er etwa einen …?“, fragte Rochelle.
?Ja, ohne Zweifel. Seine Quelle produziert so viel Mana, dass es nicht mehr transportiert werden kann und einfach aus seinen Poren herauskommt. Charles hat gerade einen Kontrollverlust“, antwortete Maya, ohne sich umzudrehen. Rochelle legte die Stirn in Falten.
?Das ist schlecht. Mehr als nur schlecht. Die St?rke seiner Zauber wird dadurch unberechenbar. Au?erdem kann er mit all dem Mana um sich herum seine Magie ohne jede Verz?gerung einsetzen.“
Sie sah sich kurz um und biss die Z?hne zusammen. Hinter ihnen griffen die Buschbr?nde bereits auf die ?ste der B?ume über. Nicht mehr lange und die Flammen würden sie einschlie?en. Ihr Kopf drehte sich zu Maya.
?Mir gef?llt das zwar nicht, aber wenn wir das hier überleben wollen, dann müssen wir zusammenarbeiten und Charles auf…“
J?h wurde sie von Maya unterbrochen: ?Du kleine Schlampe, lass deine Finger von ihm, verstanden? Das hier geht dich nichts an!“
Neben ihr erschienen zwei Klone.
?Du willst mein Leben, Charles?“, fragte die echte Maya, bevor sich die drei beim Sprechen abwechselten.
?Dann…“
?…verdiene…
?…es dir!“

