Aethyrael lie? den Blick über die Reihen der Sterblichen gleiten. Gebrochene K?rper. Gebrochene Blicke. Knie, die sich von selbst beugten, als h?tten sie begriffen, dass Stehen ein Privileg war, kein Recht.
Von der wundersch?n bemalten Decke der Halle tropfte nach wie vor Blut. Beim genaueren Hinsehen konnte Aethyrael erkennen, dass die Malerei der Kuppel eine Frau zeigte, die mitten in einer tobenden Schlacht stand. Jeder Tropfen Blut an der Decke wie eine Tr?ne im wundersch?nen Gesicht der Frau, die in die Halle herabzublicken schien. Mitten im Kampf gegen Wesen, die er nicht zu beschreiben imstande war. Es war zu bizarr, und doch wundersam anzusehen. Fast anmutig.
Gegens?tze, die sich in dieser Halle anzogen wie Licht und Schatten. Einer absurder als der andere – und doch miteinander verwoben wie die F?den eines Spinnennetzes. Und er, das Kind der Sch?pferin, stand mitten darin. Von oben bis unten bedeckt mit dem Blut sterblicher überreste. Ein Monument ihrer Bestrebungen, die sich niemals erfüllen würden. Doch es war nicht seine Verantwortung, sondern ihre Entscheidung, sich einer Prüfung zu stellen, der sie niemals würdig gewesen waren. Geschweige denn, dass sie auch nur die geringste M?glichkeit gehabt h?tten, sich gegen die beiden Hexen im Kampf zu behaupten. Würdig genug, Leid und Blut zu kosten, doch zu unwürdig, die Gnade der Ordnung zu genie?en.
Vielmehr war es eine Lektion, die eskaliert war, dachte Aethyrael und l?chelte still in den Tiefen seiner Seele. Er hatte seine Erkenntnis an diesem Tag gefunden – und das war alles, was z?hlte.
?Ihr denkt“, begann er ruhig, ?das hier sei eine Prüfung gewesen.“
Seine Stimme war nicht laut. Sie brauchte es nicht zu sein.
?Ihr irrt euch.“
Einige zuckten zusammen. Andere senkten die K?pfe noch tiefer, als k?nnten sie im Stein verschwinden.
?Eine Prüfung setzt voraus, dass Bestehen m?glich ist.“
Er machte eine kleine Pause. Sah, wie sich Hoffnung in den falschen Gesichtern regte – nur um sie im n?chsten Moment zu ersticken.
?Ihr wart nie zugelassen.“
Die Worte fielen schwerer als jede Magie oder Grausamkeit, die alle Versammelten im Verlauf der Prüfung erlebt hatten.
Aethyrael atmete langsam aus.
?Leid ist kein Werkzeug“, fuhr er fort. ?Es ist ein Zustand. Und wer ihn benutzt, um sich selbst zu erh?hen, hat sich ihm bereits unterworfen.“
Er spürte keine Genugtuung und kein Mitleid. Nur Ordnung.
?Ihr habt nicht versagt“, sagte er abschlie?end. ?Ihr habt gew?hlt.“
Er wollte noch etwas sagen. Doch mitten im Satz – brach er ab. Etwas hatte sich ver?ndert. Nicht laut. Nicht sichtbar. Aber der Raum … wich. Ein Druck legte sich auf die Halle. Nicht wie Gewalt. Nicht wie Drohung. Sondern wie Gewissheit. Etwas Altes. Etwas Tieferes. Etwas, das nicht k?mpfen musste, um zu herrschen. Aethyrael hob den Blick. Sie stand am oberen Ende der Halle.
Vaelthrys.
Ihre Runen pulsierten kontrolliert. Zu kontrolliert. Goldene Linien, die nicht brannten, sondern bestanden. Die geschwungenen onyxfarbenen H?rner trug sie fast wie eine Krone, mit einer Eleganz, die gef?hrliche Ruhe ausstrahlte. Ihre Augen jedoch – golden, tief und aufmerksam. Vaelthrys’ Aura glühte leise, rhythmisch, wie ein Herzschlag, der dem Raum einen neuen Takt aufzwang. Die Sterblichen sahen sie. Und sanken augenblicklich auf die Knie.
War es Verwirrung und Furcht?, fragte sich Aethyrael. Oder doch mehr Ehrfurcht und Unterwerfung? Alles zugleich.
Vaelthrys ging los. Leichtfü?ig. Erhaben. Und mit einem klaren Ziel vor Augen. Er biss sich auf die Zunge und musterte sie verstohlen. Es war nun keine Frage mehr, ob es eine Konsequenz geben würde. Sondern welche. Und au?erdem: Wo war Aelthyria? Dieser Gedanke lie? leichte Unruhe in ihm aufkommen. Er konnte nicht einmal sagen, wie viel Zeit seit seiner kleinen Reise durch Moonshire vergangen war. Nicht, dass er bisher jemals ein Zeitgefühl besessen h?tte. Aber auch das war Teil des Weges. Ein Weg, der Angst vor Konsequenzen nicht zulie?.
Er hatte das tiefe Bedürfnis, laut aufzulachen. Diese gesamte Situation war grotesk. Doch er hatte das dumpfe Gefühl, dass ein Lachen unangebracht sein k?nnte. Schweigen ist Gold, sagt man. Manchmal stimmt das. Also entschied er sich zu schweigen und sah der Konsequenz entgegen, die sich auf den Weg in seine Richtung gemacht hatte. Jeder Schritt lie? die Luft schwerer werden. Kein Wind. Kein Beben. Nur das Gefühl, dass Widerstand … sinnlos war.
Runenkraft?, fragte sich Aethyrael. Nein. Mehr. Sie blieb vor ihm stehen. Musterten ihn von oben bis unten.
Blut. Runen. Haltung.
Silvara hob hastig den Kopf. ?Er ist nicht verletzt“, sagte sie schnell. ?Das ist nicht sein Blut—“
Der Impuls traf sie. Kein Wort. Keine Geste. Nur Mordlust. Kurz. Pr?zise. Abgrundtief. Silvara verstummte augenblicklich. Thalyra wich unwillkürlich zurück. Aethyrael spürte es ebenfalls – dieses kalte Versprechen, das keine Drohung brauchte.
Vielleicht … dachte er, bin ich zu weit gegangen.
Vaelthrys kniete sich vor ihn. Ihre Augen suchten sein Gesicht. Ihre H?nde berührten ihn nicht sofort.
?Bist du verletzt?“, fragte sie leise.
Aethyrael schüttelte den Kopf. ?Nein.“
Ein sichtbares Aufatmen.
?Dein Verschwinden hat Unruhe ausgel?st“, sagte sie. ?Seit deiner Flucht vor dem Konstrukt sind Stunden vergangen.“ Ein kurzer Blick auf das Blut. ?Und das hier … hilft nicht.“
Er verzog leicht das Gesicht. ?Mutter ist nicht im Schloss.“
?Noch nicht“, best?tigte Vaelthrys.
Dann, sch?rfer: ?Und du solltest froh darüber sein.“
Ihre Stimme wurde k?lter. ?Mindestens zwei der drei Regeln scheinen nicht h?ngen geblieben zu sein.“
Ein Funkeln in ihren Augen. Sie wusste es. Natürlich wusste sie, dass er das Konstrukt an der Nase herumgeführt hatte. Die Suche nach einem wichtigen Gegestand der Sch?pferin den es niemals gegeben hatte.
?Es war ein Fehler“, sagte sie leise, ?nur ein Konstrukt mit deiner Aufsicht zu betrauen.“
Ihre Hand legte sich auf seine Schulter. Fest. Besitzergreifend. Beschützend. Sie richtete sich auf und sah über die knienden Sterblichen hinweg. Dann zu den Hexen. Dann zurück zu Aethyrael. Ein weiterer Impuls. St?rker und unmissverst?ndlich.
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?Ich werde mich um den kleinen Stern kümmern“, sagte Vaelthrys ruhig. ?Und darum, den Schaden – und den Zorn der Sch?pferin – in Grenzen zu halten.“
Ihr Blick bohrte sich in Silvara und Thalyra.
?Betet“, fügte sie hinzu, ?dass sie ihn nicht von oben bis unten mit dem Blut von Sterblichen bedeckt sieht.“
Sie wandte sich ab, nahm Aethyrael mit sich.
?Ihr wisst, was zu tun ist“, sagte sie im Gehen. ?Die Ordnung muss gewahrt werden.“
Sie verlie?en die Halle. Hinter ihnen – das Schreien der Hexen.
?Das ist die einzige Strafe!“ ?Für jene, die es wagten, die Haut des kleinen Sterns mit Menschenblut zu besudeln!“
Dann – die Schreie der Sterblichen. Und Aethyrael, geführt von Vaelthrys, dachte nur eines: Sie werden dem Kreis zurückgegeben. Für Blut.
Er folgte Vaelthrys schweigend. Kein Wort. Kein Einwurf. Kein trotziges Nachfragen, wie sie es von ihm kannte. Nur Schritte auf kaltem Stein, gleichm??ig, fast bedacht. Zu bedacht. Vaelthrys bemerkte es nach wenigen Herzschl?gen. Nicht, weil sie hinsah – sondern weil sie es spürte. Das Fehlen von Ger?usch. Das Fehlen von Widerstand. Das Fehlen von kindlicher Neugier, die sonst wie ein leises Knistern um ihn gelegen hatte. Sie gingen durch die inneren Korridore des Hexenschlosses. Hohe B?gen aus schwarzem Stein, durchzogen von Runen, die nicht fest eingelassen waren, sondern sich langsam bewegten. Sie flossen, ver?nderten sich, glühten auf und erloschen wieder, als würden sie atmen. Manche drehten sich ihm entgegen. Andere wichen zurück.
Tanzende Zeichen uralter Ordnung.
Wir sehen dich Kind, flüsterten sie nicht. Aber sie zeigten es.
Er spürte es. Dieses unangenehme Ziehen zwischen den Runen unter seiner Haut und jenen an den W?nden. Kein Ruf. Keine Warnung. Eher… Anerkennung. Oder Beobachtung. Vaelthrys’ Schritte verlangsamten sich.
?Du bist still“, sagte sie schlie?lich.
Er hob den Blick. ?Ich h?re zu.“
Ein leiser Hauch von Amüsement lag in ihrem Blick. ?Das tust du sonst auch. Und trotzdem redest du.“
Er zuckte kaum merklich mit den Schultern. ?Heute nicht.“
Sie blieb stehen. Nicht abrupt. Nicht dramatisch. Einfach… entschieden. Die Runen an den W?nden reagierten sofort. Ihr Puls ver?nderte sich, passte sich an ihre Pr?senz an. Goldene Linien glühten st?rker. Vaelthrys drehte sich zu ihm um und musterte ihn. Weder streng noch zornig. Sondierend.
?Wei?t du noch“, begann sie ruhig, ?was ich dir gesagt habe? Am ersten Tag?“
Er nickte langsam.
?Gew?hn dich daran“, zitierte sie sich selbst. ?Regel eins: Du bleibst im Schloss, solange dir nichts anderes gesagt wird.“
?Und warum?“ hatte er damals sofort gefragt.
?Weil es Dinge gibt, die dich spüren k?nnten“, hatte sie geantwortet. ?Und Dinge, die du noch nicht spüren würdest, bevor sie zu nah sind.“
Vaelthrys’ Blick blieb an ihm h?ngen. ?Regel zwei?“
?Wenn mich jemand provoziert“, sagte Aethyrael leise, ?soll ich zuerst überlegen, warum.“
?Nicht jeder, der dich reizen will, ist mutig“, erg?nzte sie. ?Manche sind nur neugierig.“
Ein Schatten huschte über ihr Gesicht. ?So wie der D?mon.“
?Genau so.“
Sie atmete aus. ?Und Regel drei?“
?Ich stelle Fragen“, sagte er. Dann, nach einem Moment: ?Bevor ich handle.“
Vaelthrys sah ihn lange an.
?Und?“ fragte sie schlie?lich.
Aethyrael senkte den Blick. Nicht schuldbewusst. Eher… nach innen gekehrt. ?Ich habe gehandelt.“
?Oh, das hast du“, sagte sie trocken. Dann, mit einem schiefen L?cheln: ?Und bemerkenswerterweise nicht einmal bereut.“
Er sah wieder auf. ?Nicht… so, wie ich es erwartet h?tte.“
Das brachte sie tats?chlich zum Schmunzeln. Kurz. Echt. ?Du bringst am ersten Tag ein Massaker durcheinander, erschreckst zwei Hexen, beugst Runenkraft ohne Anleitung – und wunderst dich dann über dich selbst.“
Sie setzte sich wieder in Bewegung. ?Du musst dir um die Regeln keine Sorgen mehr machen.“
?Nein?.“, fragte er verwirrt.
?Nein.“ Ihre Stimme war leicht. Fast sp?ttisch. ?Denn die Zeit der Konstrukte ist vorbei.“
Aethyrael sah zu ihr auf. ?Vorbei?“
?Ein gescheitertes Experiment“, sagte sie offen. ?Ein Wesen vor seiner eigenen Intelligenz zu schützen, um es vor Dummheiten zu bewahren.“ Ein Seitenblick. ?Du hast bewiesen, dass das… optimistisch war.“
Sie erreichten einen breiten Gang, dessen Boden aus hellem Stein bestand. W?rme lag in der Luft. Feiner Dampf schwebte zwischen S?ulen, in die Runen eingelassen waren, die in langsamen Spiralen rotierten. Die privaten B?der. Ein Ort der Reinigung. Und der Wahrheit.
?Du kannst so nicht bleiben“, sagte Vaelthrys nüchtern.
Er blickte an sich herab. Getrocknetes Blut. Dunkle Spuren. Fremd. Schwer. ?Wenn Mutter mich so sieht“, murmelte er, ?gibt es statt Abendessen Tr?ume.“
?Albtr?ume“, korrigierte Vaelthrys trocken. Dann, milder: ?Und du hast Hunger.“
Er nickte.
?Vielleicht“, fügte er hinzu, ?bleibt es ja ein kleines Geheimnis.“
Sie ?ffnete den Mund – und schloss ihn wieder.
Stattdessen griff sie sanft, aber bestimmt nach seinem Arm.
?Du blutest.“
Aethyrael folgte ihrem Blick auf seinen Arm. Er hatte erwartet, mehr von dem gleichen Rot zu sehen. Sterbliches Blut. Dick. Dunkel. Schwer. Doch das, was langsam unter dem Verband hervorsickerte, war anders. Sein Blut schimmerte. Nicht grell, nicht leuchtend – eher wie ein feiner violetter Schleier, der sich im Licht brach. Kühl. Klar. Fast… geordnet. Es wirkte weniger wie eine Flüssigkeit und mehr wie ein Zustand.
Aethyrael runzelte die Stirn.
?Das sieht… nicht aus wie ihres“, murmelte er.
Vaelthrys antwortete nicht sofort. Ihr Blick war aufmerksam, prüfend. Nicht erschrocken – eher best?tigt.
?Nein“, sagte sie schlie?lich. ?Tut es nicht.“
Er betrachtete den Schnitt genauer. Schmal. Pr?zise. Und pl?tzlich traf ihn der Gedanke h?rter als erwartet.
Ich habe nicht einmal gemerkt, dass ich mich verletzt habe.
Der ?rger darüber kam leise, aber deutlich. Kein Zorn. Eher… Unzufriedenheit mit sich selbst. Leichtsinn. Vaelthrys’ Stirn legte sich in Falten. Sie legte die Hand darüber, lie? ihre Runenkraft flie?en. Goldene Linien pulsieren auf – doch im selben Moment zuckte etwas zurück. Die Kraft stie? ab. Nicht aggressiv aber abwehrend. Aethyrael spürte es. Ein kurzes, tiefes Aufleuchten unter der Haut. Die Resonanz.
Vaelthrys zog die Hand zurück. Seufzte leise.
?Blutresonanz“, murmelte sie. ?Ein Sicherungsmechanismus.“ Ein wissender Blick. ?Gegen Manipulation. Jede Kraft, die nicht der Sch?pferin entspringt, wird als Fremdk?rper erkannt.“
Sie verband den Schnitt sorgf?ltig. Ohne Z?gern. Ohne Zauber.
?Ich wei? nicht einmal, wo das passiert ist“, gab er zu. ?Ich h?tte es merken müssen.“
Vaelthrys zog den Verband fester. ?H?ttest du“, sagte sie ruhig. Kein Vorwurf. Nur Feststellung.
?Nur deine Mutter kann das heilen“, sagte sie ruhig.
?Ich sage nichts“, antwortete er sofort.
Vaelthrys l?chelte schief. ?Das wirst du nicht müssen.“ Sie deutete auf den Verband. Auf das leise, fast h?rbare Str?men von Kraft darunter.
?Das ist kein Kratzer. Es ist ein Riss.“ Ein kurzer Blick. ?Und er leuchtet.“
Aethyrael schloss die Augen für einen Moment. Er hatte das Gefühl, als würden die azurblauen Augen der Sch?pferin aus den tiefen seines Geistes wissend auf ihn herab blicken. Einen Moment schwieg er. Dann hob er den Blick.
?Was war das dort unten wirklich?“ fragte er. ?Dieses… Theater. Die Prüfung.“
Vaelthrys hielt inne. Nur einen Herzschlag. ?Arbeit“, antwortete sie schlie?lich. ?Niedere Arbeit.“
Aethyrael blinzelte. ?So viele… für Arbeit?“
?Ja.“ Sie sah ihn an. ?Auch wir brauchen niederes Volk für niedere Aufgaben. Ordnung entsteht nicht von selbst.“
Sie führte ihn in das innere des Bades, ihre Stimme ruhig, fast beil?ufig. ?Es gibt Orte“, fuhr sie fort, ?an denen genau diese Magier und Soldaten gebraucht werden. Limbus ist einer davon. Situationen, in denen rohe Gewalt und einfache Magie genügen müssen, um Ordnung durchzusetzen.“
Er dachte an Silvara. An Thalyra. An das L?cheln. An das Feuer.
?Und die Hexen?“ fragte er leise.
Vaelthrys’ Mundwinkel zuckten. ?Werden nicht grundlos von der Leine gelassen.“ Ein kurzer Seitenblick. ?Deine Mutter tut das nur, wenn es unbedingt n?tig ist.“
Sie machte eine Pause. ?Auch Ceryne hat eine b?sartige Seite. Sie arbeitet nur lieber im Schatten.“
Aethyrael schwieg. Der violette Schimmer seines Blutes pulsierte schwach unter dem Verband. Ein weiteres Detail, das seine Mutter nicht übersehen würde.
Er seufzte leise.
Gro?artig, dachte er. Nicht nur Chaos verursacht – sondern es nicht einmal bemerkt.
Das Bad war warm. Still. Dampf legte sich wie ein Schleier über den Raum. Als er ins Wasser stieg, l?ste sich das Blut langsam von seiner Haut. Rot f?rbte das Wasser. Schlieren. Wirbel. Ein Rinnsal, das sich verlor. Er beobachtete es lange und in Gedanken versunken. Es fühlte sich an, als würde er etwas abwaschen, das schwerer war als Blut.
Eine Last. Einen Zustand. Etwas, das er nicht erkl?ren konnte.
Und genau das beunruhigte ihn.
Er atmete tief ein. Versuchte, ruhig zu bleiben. Der heutige Tag war zwar alles andere als geplant verlaufen. Doch hatte er auch etwas Gutes. Etwas fiel ihm auf, das jede Ordnung dieser Welt einer Notwendigkeit zu folgen schien, die ihre barbarische Seite hinter einem Vorhang von Anmut und Sch?nheit verschleierte. Dazwischen gab es keine Grenzen. Nur Endgültigkeit und die St?rke damit zu leben. Und zum ersten Mal fragte er sich, ob Ordnung ihn formen würde – oder brechen.

