Piri: "Wir haben Lapsus und Ili befreit. Wir k?nnen Natural City verlassen."
Lapsus, besorgt: "Nein, wenn Millionen krank sind, kommt es auf jedes gesunde Person an, das helfen kann. Wir müssen also noch m?glichst viele heilen, bevor wir gehen."
Caesar: "Sobald ich in dem Universit?t bin, werde ich die Guards mit dem Heilmittel ausstatten und ausschw?rmen lassen."
Endo, auf sein Staubs?ckchen weisend: "Und ich habe hier Antik?rper, die sich über die Lungen in die Blutbahn einschleusen. Wir k?nnten mit dem Flügelwal eine Runde über der Stadt drehen und den Staub verteilen. Das würde Hunderttausende auf einmal heilen."
Ili, freudig: "Flügelwal? Das will ich sehen."
Szeneanfang:
Am frühen Nachmittag stehen, sitzen, liegen Meneor, Piri, Lapsus, Ewald, Iris, Giftstrauss, Pferdchen und Held auf dem Flügelwal. Endo ist dabei, seinen Heilstaub über den Rand des Wals hinab rieseln zu lassen auf Natural City, das vielleicht zweihundert Meter unter ihnen liegt. Ili betrachtet verzückt die m?chtigen Flügel des Wals, die sich majest?tisch auf und ab schwingen ...
... und wendet sich strahlend Piri zu.
Als h?tte sie damit ein Feuer entfacht, beginnt auch Piri zu strahlen.
Piri springt auf und umarmt Ili spontan mit den Worten: "Du bist so süss."
Iris beobachtet die beiden und denkt: 'Diese Unbedarften haben keine Hemmungen, ihre peinlichen Gefühle zu zeigen ...'
Iris denkt Stirn runzelnd: '... Aber warum ist mir das peinlich? Ich k?nnte es doch auch süss finden ...'
Szeneanfang:
Zur gleichen Zeit in Kommandant Harts Büro. Hart spricht zum Kommunikator auf seinem Schreibtisch: "Was ist da draussen los?"
Kommunikator: "Es gibt kaum noch Aufst?ndische, aber ..."
Hart, ungeduldig: "Was aber?"
Kommunikator: "Da rennen Leute rum und stellen neben jeden Kranken ein Gef?ss mit Wasser. Sollen wir sie erschiessen?"
Hart, Stirn runzelnd: "Wozu das Wasser?"
Kommunikator: "Angeblich damit die Kranken nicht verdursten. Aber vielleicht ist das auch ein Trick."
Hart, sinnierend: "Lasst sie gew?hren!"
Kommunikator: "Jawohl, Kommandant Hart."
Szeneanfang:
Endos Heilstaub rieselt vom Himmel und wird von zahlreichen Kranken eingeatmet.
Minuten sp?ter geht es einigen so viel besser, dass sie sich, wenn auch benommen, aufrichten k?nnen.
Szeneanfang:
Nur wenig sp?ter in Harts Büro. Aufgeregte Kommunikatorstimme: "Kommandant Hart, Kommandant ..."
Hart, irritiert: "Ja, ja."
Kommunikator: "Viele Leute sind pl?tzlich wieder gesund! Es ist ... wie ein Wunder!"
Hart starrt sinnierend vor sich hin, ...
... um dann mit leichtem L?cheln zu sagen: "Gut, danke."
Szeneanfang:
Caesar steht vor der Universit?t und verteilt aus einer grossen Kiste Injektionspistolen an die Guards. In der N?he h?ngt ein ?ffentlicher Grossbildschirm. Caesar instruiert: "Ihr durchsucht jedes Haus vom Keller bis zum Dachboden und verpasst jedem kranken Person ein Injektion."
Einige Guards im Chor: "Jawohl, Herr Caesar."
Caesar denkt selbstzufrieden: 'Klappt doch. Bald werden sie sich daran gew?hnt haben, ihrem neuen Anführer zu gehorchen.'
Der Grossbildschirm erwacht zum Leben und zeigt eine Sprecherin der Natural News, die folgende Nachricht verliest: "Genmonster haben Natural City mit einer Biowaffe angegriffen. Kommandant Hart hat sofort reagiert und als Notmassnahme jedem Kranken einen Krug mit Wasser hinstellen lassen, damit niemand an Entw?sserung stirbt, bevor das Gegenmittel gefunden ist. Unser grosser Kommandant hat damit Hunderttausenden von Menschen kostbare Lebensstunden verschafft, ..."
Auf dem Bildschirm ist zu sehen, wie Hart in einem weissen Forschungskittel, der seine Uniform nur notdürftig bedeckt, an einem Mikroskop hantiert. NN-Kommentar: "... die er genutzt hat, um pers?nlich ein natürliches Heilmittel zu finden. Das Aggressor-Virus war dem grossen Geist unseres Kommandanten nicht gewachsen, sodass nun das überall mit Helikoptern verteilte Heilmittel seine segensreiche Wirkung entfaltet ..."
Tats?chlich ist der Luftraum über Natural City erfüllt vom "Flapp Flapp Flapp" zahlreicher Helikopter. Auf dem Bildschirm ist die Sprecherin zu sehen: "Wir danken Kommandant Hart für die Rettung von Natural City. Er ist der Gr?sste. Ihm vertrauen wir. In seine H?nde legen wir unser Leben ... Leider sind die gewissenlosen Genmonster, die diesen kriminellen Biowaffen-Angriff auf unsere natürliche Gemeinschaft ausgeführt haben noch auf freiem Fuss. Wir rufen alle Geheilten auf, unsere tapferen Natural Guards bei der Jagd auf die Monster zu unterstützen. Erst wenn wir die Genmonster sicher im S?uregraben wissen, k?nnen wir uns sicher fühlen."
Caesar starrt sprachlos auf den erl?schenden Bildschirm, ...
... bis eine Guard-Stimme ihn aus seinen Gedanken reisst: "Herr Caesar?"
Ernst und wortlos h?ndigt Caesar dem Guard eine Injektionspistole aus.
Ein Guard mault: "Warum müssen wir mit diesen Spielzeugpistolen Leute heilen? Ich würde lieber die Genmonster jagen."
Andere Guards nicken und stimmen zu.
Caesar hat an der groben Verzerrung der Wahrheit zu kauen und antwortet matt: "Vielleicht weil Leben retten wichtiger ist als Monster jagen?"
Maulender Guard, grinsend: "Aber Menschenleben werden doch jeden Tag gemacht. Monster gibt's nur selten zu jagen."
Die andern Guards lachen und grinsen.
Szeneanfang:
Zur gleichen Zeit erreicht ein Helikopter mit "Flapp Flapp Flapp" zuf?llig die H?he des Flügelwals, sodass der Pilot nicht mehr von dem Cham?leoneffekt am Bauch des Wals get?uscht wird und sieht, wer auf dem Flügelwal reitet.
Der NG-Pilot ruft verblüfft: "Das gibt's doch nicht!"
Der neben ihm sitzende Guard-Kollege ist zuerst sprachlos, ...
... ruft dann ganz aufgeregt: "Das sind die Genmonster! Schiess das verdammt Ding ab!"
Die beiden Guards sind so aufgeregt, dass sie ganz vergessen, Meldung zu erstatten und Feuererlaubnis einzuholen. Der Pilot drückt den Feuerknopf am Steuerknüppel, ...
... sodass das Maschinengewehr am Bauch des Helikopters mit "Taktaktak" los knattert ...
... und die Geschossgarbe den Ballonrumpf des Flügelwals aufreisst, sodass das Helium zischend ausstr?mt.
Gurad-Kollege, triumphierend: "Ha, du hast ihn getroffen!"
W?hrend das Maschinengewehr weiter feuert und das Loch im Rumpf des Wals vergr?ssert, beobachten die Guards, wie Meneor eine Wurfbewegung ausführt ...
... und sehen erschrocken ein von einem Raketenstrahl angetriebenes Etwas auf sich zufliegen. Pilot, erschrocken: "Was ist das?!"
Zum Entsetzen der Guards durchst?sst das Messer die Glasscheibe des Helis, als w?r's eine Plastikfolie, ...
... explodiert in der Pilotenkanzel und zerfetzt die Guards.
Taumelnd und rauchend stürzt das Heliwrack in die Tiefe.
Endo ruft: "Wir verlieren zu viel Helium! Macht euch auf eine harte Landung gefasst!"
Sofort l?dt Meneor sich die erschrockene Iris auf die Arme.
Iris versucht sich zusammen zu reissen und fragt Meneor: "Wirst du mich retten?"
Meneor schenkt ihr ein beruhigendes L?cheln und sagt: "Wie immer."
Iris legt Meneor, Halt suchend, die Arme um den Hals und sagt, ihre Panik unterdrückend: "Und du fasst es nicht falsch auf, wenn ich die Arme um dich lege, ohne ein angewidertes Gesicht zu machen?"
Meneor, l?chelnd: "Ich fasse nichts falsch auf, weil ich in deinem Kopf nachsehen kann, wie du es meinst."
Iris ruft wütend "Aaahhh!" und beisst Meneor in die Schulter, was dieser l?chelnd wegsteckt.
Bei dem Anblick muss Piri, die sich Ewald auf die Arme geladen hat, l?cheln, w?hrend Ewald etwas überfordert wirkt.
Giftstrauss, zu Held: "Auf mein Rücken, Chief! Ich kann das Aufprall besser abfedern."
Obwohl Helds Laune wegen seiner Niederlage ungeniessbar ist, l?sst er sich nicht lange bitten und schwingt sich beh?nde auf Giftstrauss.
Der stete Heliumverlust l?sst den Flügelwal immer mehr erschlaffen und auch die heftig schlagenden Flügel helfen nicht, den sich beschleunigenden Fall zu bremsen, weil sie nur der Vorw?rtsbewegung dienen.
Die nun v?llig erschlaffte Hülle des Flügelwals flattert wie ein Leintuch herab auf das Dach eines m?chtigen, hohen Hauses, ...
... sodass die Reisenden den nicht allzu harten Aufprall abfedern k?nnen.
Ohne Iris runter zu lassen, springt Meneor auf das Dach des benachbarten Hauses und ruft: "Weg hier!"
Alle folgen Meneor, der über das Dach des Nachbarhauses hetzt.
Ein weiterer Helikopter scheint sie bemerkt zu haben, denn er nimmt Kurs auf die Fliehenden.
Meneors Arm ist kurz gestreckt vom Messerwurf, ...
... legt sich aber blitzschnell wieder unter Iris, bevor sie fallen kann.
Der Heli explodiert noch bevor er einen Schuss abgefeuert hat.
Etliche D?cher weiter bemerkt Meneor ein offenes Dachfenster ...
... und huscht mit Iris hinein ...
... in eine ger?umige, aber ?rmliche Dachwohnung, wo ein alter Mann st?hnend und gekrümmt in seinen F?kalien und seinem Erbrochenen am Boden liegt. Irgendwo steht wie ein Fremdk?rper eine neue, etwa einen Kubikmeter grosse, stapelbare Kunststoffkiste mit Traggriffen.
Die Gruppe wird nun der Einfachheit halber "Genvilles" genannt, obwohl etliche gar keine sind. Alle stehen wieder auf ihren eigenen Füssen bei dem alten Mann, wobei den meisten anzusehen ist, dass es fürchterlich stinkt. Piri, zu Endo: "Heilst du es?"
Endo schüttelt seinen Heilstaub über dem Alten aus. Der Alte protestiert: "Nicht heilen! Lasst mich sterben!"
Piri l?dt sich den Alten auf die Arme ...
... und tr?gt ihn ins Badezimmer. Der Alte: "Was tun Sie?"
Piri, nüchtern: "Ich werde Sie waschen."
Aus dem Badezimmer ist der Ruf des Alten zu h?ren: "Das geht nicht. Sie haben mir das Wasser abgestellt."
Ewald, sachlich: "Dann stellen wir es eben wieder an."
Begleitet von Meneor, macht Ewald sich auf die Suche nach dem Wasserventil. Held fühlt sich von Wahnsinnigen umgeben: "Ich fasse es nicht. Eine ganze Stadt verfolgt uns und wir waschen hier einem nutzlosen Alten den Hintern."
Auch Lapsus setzt sich in Bewegung, um Putzlumpen zu suchen, und sagt zu Ili: "Komm, Ili, wir putzen das Boden."
Iris versucht sp?ttisch zu sein, was ihr aber nicht recht gelingt: "Soll ich vielleicht einen Tee aufsetzen?"
Held ist fassungslos.
Die Stimme des Alten aus dem Badezimmer: "Tee geht nicht. Sie haben auch den Strom abgestellt."
Aus dem Badezimmer schlittert ein Messer bis vor Iris' Füsse, begleitet von Piris Worten: "Sag 'Loder' zu dem Messer, dann hast du Feuer!"
Iris merkt, dass ihr Scherz wohl gründlich in die Hose gegangen ist, und bückt sich seufzend nach dem Messer, ...
... begibt sich in die Küche, ...
... denkt: 'Jetzt spreche ich auch schon mit Messern ...', sagt "Loder" zu dem Messer ...
... und h?lt sich die auflodernde Flamme leicht erschrocken weg vom Gesicht.
Iris versucht mit der freien Hand Wasser in eine Pfanne einzulassen, aber da kommt nichts. Iris ruft: "Wo bleibt das Wasser?!"
Ewald hat das Handrad gefunden, mit dem das Wasser reguliert wird. Eine Kette blockiert das Rad. Ewald, zu Meneor: "Es ist mit einer Kette plombiert. Kannst du es aufdrehen?"
Meneor greift nach dem Rad, wobei sich seine Muskeln eindrucksvoll spannen.
Die Kette zerspringt ...
... und das Wasser fliesst in Iris' Pfanne.
Ein paar Minuten sp?ter sitzt der Alte auf einem Sessel oder Sofa, schlürft heissen Tee und alle h?ren ihm zu: "Sie haben allen Alten die Rente gestrichen. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen."
Meneor, neugierig: "Was ist ein 'Rente'?"
Iris, ohne Spott, ganz sachlich: "Ein Geldbetrag, den er regelm?ssig bekommt, damit er Essen kaufen und die Wohnung bezahlen kann."
Meneor, Stirn runzelnd: "Wozu dieses 'Rente', wenn Essen und Wohnung einfach wachsen.?"
Ili, Stirn runzelnd, weil die Sache mit dem Geld für sie v?llig fremd ist: "Und dieses 'Geldbetrag' ist jetzt frisch gestrichen und hat ein anderes Farbe?"
Iris greift sich st?hnend an den Kopf und sagt: "Ich erkl?r dir das ein ander Mal, Ili."
Der Alte schaut Meneor und Ili an und sagt grantig: "Ihr seid wohl nicht die Hellsten, was?"
Ewald zeigt auf die Kunststoffkiste und fragt: "Was ist das für eine Kiste?"
Der Alte, schmerzlich l?chelnd: "Da kommt alles rein, was wichtig ist für meine Biografie: Fotos, Diplome, Briefe, Dokumente, Preise, pers?nliche Gegenst?nde und was weiss ich noch alles. Nach meinem Tod kommt die Kiste in ein sicheres Lager, wo sie tausend Jahre aufbewahrt wird. In tausend Jahren k?nnen die Geschichtsschreiber dann noch sehen, wie ich gelebt habe. Das ist meine Unsterblichkeit."
Ewald ist beeindruckt: "Oh, und Sie haben schon alles Wichtige rein getan?"
Der Alte, bitter lachend: "Jetzt brauche ich nur noch abzukratzen, dann bin ich unsterblich."
Lapsus, befremdet: "Wollen Sie denn nicht leben?"
Der Alte, grantig: "Wie soll ich denn leben ohne Essen, du junger Schn?sel?"
Lapsus reicht dem Alten eine fünf Zentimeter durchmessende, helle Kugel mit den Worten: "Legen Sie dieses Kugel in ein Topf mit Ihren Ausscheidungen und stellen Sie es an einem hellen Ort auf. Das Kugel wird alles aufnehmen und wachsen. Sie k?nnen dann von dem Kugel essen und müssen nie mehr hungrig sein."
Der Alte nimmt die Kugel entgegen und be?ugt sie misstrauisch, ...
... dann wird ihm pl?tzlich bewusst, dass seine Wohnung voller merkwürdiger Leute ist, und er fragt unfreundlich: "Wer sind Sie überhaupt? Sind Sie von der Immobilienverwaltung? Wollen Sie die Wohnung schon weiter vermieten, noch bevor ich tot bin?"
Iris dr?ngt die andern mit Armbewegungen zum Gehen und sagt mit gezwungenem L?cheln zu dem Alten: "Nein, keine Sorge, wir sind ... auf der Durchreise sozusagen."
Iris winkt dem Alten. "Auf Wiedersehen."
und will aus dem Dachfenster steigen, durch welches sie in die Wohnung gelangt sind.
Meneor h?lt sie am Arm zurück und bedeutet ihr mit einer Kopfbewegung, ihm zu folgen.
Meneor geht zur Begrenzungswand der Wohnung, hinter welcher der Dachstock des n?chsten Hauses liegen muss, sagt "Sirrr" zu einem Messer ...
... und erl?utert, w?hrend er ein Viereck aus der Wand schneidet: "Wenn wir unter den D?chern gehen, k?nnen Sie uns aus dem Luft nicht mehr sehen."
Die Genvilles betreten das geheimnisvolle Dunkel eines Dachstockes.
Der Alte schlurft mit der Kugel in der Hand zum Badezimmer, ...
... spült die Kugel im Klo hinunter und murmelt grantig: "Ich fress doch nicht meine eigene Scheisse, du Spinner."
Szeneanfang:
Zur gleichen Zeit in Genville bei den Nutzwesen. Antara liegt bewusstlos auf Trage, wo auch Hilfsorgane am Kopfende sitzt und ihren Zustand überwacht. Ein Tentakel von Hilfsorgane führt hinab zu Aladans Brust und versorgt ihn mit schmerzstillenden Mitteln. Ein zweiter Tentakel führt zu Chromos 5s Brust, der auf der anderen Seite von Trage am Boden liegt. Aladan liegt ebenfalls am Boden mit leicht hoch gelagerten Füssen und jammert: "Antara, das bewusstlos ist und von allem nichts mitbekommt, darf bequem auf Trage liegen, w?hrend ich mich hier, schn?d auf das Boden geschmissen, leidend wiederfinde."
Erst jetzt ist sichtbar, dass Lara, Hisch, Wagon, Yon, Meer, Martin, Estragon und Flu sich von der Schlacht erholen, indem sie ebenfalls am Boden liegen oder sich irgendwo anlehnen. Wagon, l?chelnd: "Verglichen mit den Stacheln der Giftkrieger, ist das Boden von Genville das reinste Himmelbett."
Lara, sinnierend: "Welches kranke Hirn hat sich wohl die Giftkrieger ausgedacht?"
Hisch, angriffig: "Nun tu nicht so scheinheilig! Wir haben uns doch auch solche Spielzeuge ausgedacht."
Lara, die es nicht fassen kann: "Die Dinger haben sich vermehrt! Diese Forschenden haben das eiserne Regel gebrochen, keine Kampforganismen zu bauen, die sich vermehren."
Meer, dem es aus eigener Erfahrung leicht f?llt, Schweinereien zu verstehen, abgekl?rt: "Regeln bestehen nicht aus Eisen, sondern aus Wisperfeldern. Ihr flüchtiges Flackern hat nur so lange Bestand, bis eine andere Wichtigkeit es beendet."
Estragon, neugierig: "Was für ein Wichtigkeit k?nnte das denn gewesen sein?"
Meer, mit finsterem L?cheln: "Vielleicht hatte jemand den fortw?hrenden Missbrauch der Gentechnik satt und wollte alles Leben ausl?schen auf diesem Planeten."
Estragon, etwas bedrückt: "Ist das nicht traurig, wenn ein forschendes Geist kein anderes L?sung findet, das Leiden zu beenden?"
Lara zieht Estragon tr?stend an sich und sagt: "Sei nicht traurig, liebstes Estragon, unser Antwort heisst Genville und wir geben nicht auf."
Hisch, nachdenklich: "Manchmal frage ich mich, ob wir das Leben nur geniessen k?nnen, wenn wir auch das Leid erfahren ... ob das Frieden des Seele nur m?glich ist nach einem Krieg der K?rper ..."
Wagon drückt Hisch tr?stend an sich und sagt: "Liebstes Schwester, ein gutes Gefühl ist ein gutes Gefühl. Es ist ein physikalisches Gr?sse, ein Wisperfeld, das für sich allein existieren kann. Kein Leid und kein Schmerz sind notwendig, um es zu erzeugen und am Leben zu erhalten. Du kannst tausend Jahre glücklich sein, ohne dass sich dieses Glück abnutzt."
Hisch, Stirn runzelnd: "Es ist schwer zu glauben, wenn ich sehe, wie die Natürlichen mit ihren Genmonstern ihr Glück immer wieder mit Gewalt zerst?ren, wenn Tanja sich sogar in Genville einstampfen l?sst, wenn Yon und Martin ausschauen wie ein Schwamm, das sich mit Trauer vollgesogen hat ..."
Yon und Martin fühlen sich angesprochen, sagen aber nichts.
Meer, sinnierend: "Warum bleibt ein friedlicher Augenblick nicht friedlich? Weil Gier nach Macht, Durst nach Rache, der Schmerz der Langweile oder was immer für qu?lende Bedürfnisse ihn zerfressen ..."
Meer, wie oben: "Als sie eure Bedürfnisstruktur definierten, habe ich heimlich das Dienbedürfnis gel?scht und weitere Anpassungen vorgenommen. Ich wollte eine Spezies erschaffen, die f?hig ist zum Glücklichsein. Das Rezept für das Glück ist wie das Rezept für einen Kuchen, bei dem es auf die Zutaten und die richtige Mischung ankommt. Die Zutaten sind die Bedürfnisse und die richtige Mischung entspricht der St?rke jedes Bedürfnisses. Wenn alles optimal ist, resultiert daraus eine zum Glück bef?higte Existenz. Ihr seid meine Glückskuchen und k?nnt jetzt herausfinden, ob ihr gelungen seid."
Alle h?ren mit offenem Mund zu.
Wagon, staunend: "Dann hast du uns nicht nur gerettet, sondern auch ... erschaffen?"
Meer, mit hartem, selbst verachtendem Lachen: "Nun ja, jemand musste es ja tun ... Und warum nicht ich, eines der perversesten Exemplare aus natürlicher Selektion?"
Hisch, mit wehmütigem L?cheln: "Bei mir hast du gepfuscht, sonst h?tte ich keine Wutanf?lle."
Wagon drückt Hisch und lacht: "Ich liebe Pfuschkuchen!"
Hisch l?chelt mit gespieltem ?rger.
Meer, nüchtern: "Mit Ambellmi k?nnen wir die Bedürfnisstruktur nachjustieren, bis sie vollkommen ist."
Hisch, mit schmerzlichem L?cheln: "Aber ist ein tausendj?hriges Glück nicht banal und langweilig?"
Estragon: "Wir leben ja nicht im Reagenzglas, sondern in einem Universum voller Geheimnisse und Gefahren. Glaubst du wirklich, dass einem forschenden Geist je die Abenteuer ausgehen?"
Lara, mit laszivem Blick auf Estragon: "Es gibt ja noch andere Vergnügungen, als das forschende Geist durchs Universum schweifen zu lassen ..."
Wagon und Hisch springen gleichzeitig mit einem "Au ja!" auf Estragon, der bereits von Lara zu Boden gedrückt wird. Estragon ruft mit gespieltem Entsetzen: "Uaaahhh!"
Szeneanfang:
Wenige Minuten nach dem Besuch beim alten Mann, schneidet Meneor mit einem Messer ein Stück Wand in einem Dachstock heraus und sagt dabei: "Passt auf! Hinter diesem Wand hat es kein Boden. Es ist ein grosses Zimmer."
Die Umstehenden machen ein Fragezeichengesicht.
Meneor reisst das ausgeschnittene Wandstück heraus ...
... und kraxelt durch das entstandene Loch, ...
... welches auf der anderen Seite wenige Meter unter der Decke in eine grosse, weiss gestrichene Lagerhalle mündet. Unter dem Loch geht die nackte Wand gute zw?lf Meter bis zum Boden. Nirgendwo gibt es einen Halt für den Abstieg. Am Boden hat es eine freie Man?vrierfl?che, wo ein Lagerist mit einem Gabelstapler herumf?hrt. Ringsum stehen Stapel von diesen "Biografie-Boxen", von denen der alte Mann eine in seiner Wohnung stehen hat.
Aus der Mauer?ffnung prasseln ein paar kleine Steine oder Betonstücke zu Boden, was die Aufmerksamkeit des Lageristen erregt, ...
... dessen Blick die Wand hoch geht.
Erschrocken sieht der Lagerist Meneor in der ?ffnung kauern ...
... und bewegt sich flink von seinem Stapler in Richtung Hallenausgang.
Federnd landet Meneor dicht vor dem Lageristen.
Wie Meneor sich ohne jede Verletzung l?chelnd aufrichtet, bleibt der Lagerist verblüfft stehen und stammelt: "Aber ..."
Meneor hat sich blitzschnell die Bet?ubungsfl?te an den Mund geführt und bl?st dem Lageristen einen Bet?ubungspfeil in den Hals, ...
... sodass dieser augenblicklich bewusstlos zusammensinkt.
Elegant abfedernd landet Piri neben Meneor.
Gleich darauf treffen auch Giftstrauss und Pferdchen ein. Piri geht auf einen Turm mit Boxen zu und sagt: "Ich werde für die anderen ein Treppe bauen."
Ohne den Gabelstapler eines Blickes zu würdigen, beginnen Meneor und Piri mit ihren H?nden grosse Stapel von Boxen an die Wand mit dem Loch zu tragen.
Pferdchen deutet auf den Lageristen: "Verstecken wir das. Falls jemand reinkommt, soll es nicht gleich misstrauisch werden."
Pferdchen und Giftstrauss ziehen den Lageristen zwischen die Boxenstapel, wo er nicht auf Anhieb gesehen werden kann. Giftstrauss: "Dann sollten wir uns auch verstecken. Oder glaubst du, jemand h?lt uns für Haustiere?"
Pferdchen blickt ganz süss zu Giftstrauss auf und sagt: "Bin ich kein süsses Killermonsterchen?
Beide lachen und Giftstrauss versetzt Pferdchen einen Tritt, dass es hoch hinauf fliegt ...
... und auf einem Boxenstapel landet.
Giftstrauss landet neben Pferdchen und sagt: "Hier sehen sie uns nicht gleich und wir k?nnen eingreifen, wenn etwas ist."
Mittlerweile haben Piri und Meneor eine sechs Stapel breite Treppe bis zum Mauerloch hinauf gebaut. Piri betrachtet das Werk und sagt zufrieden: "Das Treppe sollte jetzt stabil sein."
Held ist schon dabei, sich aus dem Loch auf die Treppe zu wagen.
Ili und Lapsus sind die letzten, die von der Treppe kraxeln. Iris bewegt sich schon fasziniert durch die grosse Lagerhalle, ...
... dreht sich zu Ewald um und sagt: "Aufnahme!"
Sofort konzentriert Ewald sich voll auf Iris und beginnt mit der Aufzeichnung. Iris, professionell: "Hier also werden die Biografie-Boxen aufbewahrt. Jede Box enth?lt eine Lebensspur, die ein verstorbener Mensch ihr anvertraut hat ..."
Iris bewegt sich durch die Halle, macht mit ihren Armen eine umfassende Bewegung und kommentiert: "Tausend Jahre sollen sie hier lagern und so eine Art Unsterblichkeit garantieren ..."
Iris ist weit genug vorgeschritten, um hinter einer Mauer aus Boxen etwas zu bemerken, das sie stutzen l?sst: "Aber was ist das ...?"
Befremdet betrachtet Iris den grossen Ofen und die paar ausgekippten Boxen, deren Inhalt sich vor dem Ofen zu einem kleinen Haufen türmt. Der Haufen setzt sich zusammen aus Büchern, Fotoalben, Puppen, Briefen, Diplomen, Pokalen, einem Hochzeitskleid und was den Leuten sonst noch alles wichtig schien, um ihr Leben der Nachwelt zu überliefern. Am Ofen steht eine breite, flache Schaufel, die sich gut eignet, um den sperrigen Haufen in den Ofen zu bef?rdern.
Die andern haben sich bei Iris eingefunden und schauen auch auf den Ofen. Iris kommentiert mit belegter Stimme: "Wie es scheint, l?st sich in diesem Ofen der Traum von der Unsterblichkeit in Asche auf ... Aber warum?"
Piri, leise: "Hans Hart hat doch auch deine Natural News-Beitr?ge vernichten lassen. Vielleicht will es jedes Erinnerung an das Vergangenheit l?schen."
Iris, erschrocken über diesen Gedanken: "Das macht nur Sinn, wenn er die Wahrheit ausradieren und die Geschichte neu schreiben will ... Eine Geschichte, in der Hans Hart ein Heiliger ist, gekommen, um die Menschheit zu retten ..."
Quietschend ?ffnet sich das Tor zu Lagerhalle, was Meneor eine kampfbereite Haltung einnehmen l?sst.
Aber es ist nur ein Elektrolastwagen, auf dessen Ladefl?che sich Biografie-Boxen stapeln, der leise surrend in die Halle einf?hrt.
Ein gestresster Fahrer verl?sst die Kabine und ruft: "Los, helft mir beim Abladen!"
Um nicht aufzufallen, helfen alle brav, die Boxen einzeln von Hand abzuladen.
Kaum ist der Lastwagen leer, schaut sich der Fahrer suchend um und fragt: "Wo sind die leeren Kisten?"
Alle schauen den Fahrer unschlüssig an.
Da platzt dem Fahrer der Kragen und er brüllt wütend: "Was glotzt ihr so bl?d? Bringt endlich leere Kisten! Die Alten sterben weg wie die Fliegen, seit sie keine Rente mehr haben."
Um keinen Verdacht zu erregen, schütten die Genvilles hastig Boxen vor dem Ofen aus ...
... und füllen den Lastwagen mit den leeren Beh?ltnissen.
Iris provoziert den Fahrer: "Ist es Ihnen egal, dass die Leute betrogen werden?"
Fahrer, angriffig: "Soll ich jetzt meinen Job schmeissen und auch verhungern?"
Der Fahrer steigt in den Lastwagen und murmelt dabei vernehmlich: "Bl?de Ziege."
Iris will dem Fahrer wütend einen Tritt versetzen, ...
... aber Ewald h?lt sie am Arm mit einem warnenden Blick zurück.
Wie der Lastwagen die Halle verl?sst, fragt Iris Ewald: "Aber das mit der 'bl?den Ziege' hast du nicht aufgenommen oder?"
Ewald, ernst: "Doch, es zeigt, wie Leute behandelt werden, die an das Gewissen appellieren."
Nicht recht wissend, ob sie jetzt wütend werden soll, betrachtet Iris Ewald mit einem Stirn-Runzeln, ...
... entschliesst sich aber, Ewald zuzustimmen und sagt, ausatmend: "Ja, so ist es."
Iris geht auf den Haufen ausgekippter Sachen zu und sagt: "Wenn wir auf die Strasse wollen, müssen sich einige von uns noch umziehen."
Iris zieht das Hochzeitskleid hervor und sagt zu Ili: "Zieh das an, Ili! Wenn du den Mund ?ffnest, sind sonst deine Z?hne zu sehen."
Iris zieht einen Frack hervor und sagt, begeistert von ihrer Idee: "Genau! Wir machen aus Lapsus den Br?utigam und gehen als Hochzeitsgesellschaft ..."
Iris, zynisch: "Wenn wir Glück haben, geniesst wenigstens eine Braut in dieser verwahrlosten Stadt noch etwas Respekt."
Iris wirft Endo einen passenden Anzug zu. Held protestiert: "Ich werde mich hier nicht ..."
Iris unterbricht ihn kühl und bestimmt: "Nein, du wirst hier nicht. Du bist viel zu bekannt, als dass die Leute dich sehen dürfen ..."
Pferdchen und Giftstrauss sind von ihrem Stapel gesprungen und landen neben Held. Iris, auf die Kampforganismen zeigend, wie oben: "Du wirst dich mit den beiden Scherzartikeln hinter der Cham?leondecke verstecken."
Held passt dieser Ton nicht und er l?uft rot an vor ?rger, ...
... muss aber einsehen, dass Iris recht hat, und greift zerknirscht nach der Cham?leondecke, die Endo ihm hinh?lt.
Die "Hochzeitsgesellschaft", mit Ili und Lapsus Arm in Arm als "Brautpaar", hat die Halle verlassen und bewegt sich, gefolgt vom unsichtbaren Trio Held, durch eine schwach belebte Strasse.
Obwohl die meisten Leute wieder gesund sind, haben sie sich in ihre Wohnungen zurückgezogen, um sich zu waschen und zu erholen. Natural City wirkt seltsam leer. Nicht einmal die sonst allgegenw?rtigen Guards sind zu sehen. Die "Hochzeitsgesellschaft" wirkt darin wie ein skurriler Fremdk?rper. Doch unverdrossen marschiert Iris mit festlichem L?cheln voraus.
Ewald, der kaum mit Iris Schritt halten kann, unsicher: "?hm, wohin gehen wir?"
Iris, hochzeitsl?chelnd: "Zur Versammlung."
Alle machen ein Fragezeichengesicht.
Iris schaut in die fragenden Gesichter und sagt energisch: "Was schaut ihr so ernst?"
Iris geht mit einem fr?hlichen Hüpfer weiter und sagt hochzeitsl?chelnd: "Seid fr?hlich! Wir haben Hochzeit!"
Die anderen versuchen trotz ihrer Verwirrung dieser Aufforderung Folge zu leisten, was zu einer merkwürdigen Hochzeitsstimmung führt. Held schimpft: "Diese verrückte Person führt uns ins Verderben."
Iris, grinsend: "Pssst, Unsichtbare haben zu schweigen."
Held, mürrisch: "Pah."
Eine etwa fünfzigj?hrige Frau kommt ihnen entgegen, deren unglückliches Gesicht ...
... sich aufhellt, wie sie das Hochzeitspaar ersp?ht.
Wie sie bei Meneor anlangt, ergreift sie seine H?nde und drückt sie, um ihren mit ehrlicher Freude ausgesprochenen Worten Nachdruck zu verleihen: "Bitte überbringen Sie dem Hochzeitspaar meine besten Wünsche für die Zukunft."
Eine Tr?ne der Rührung stiehlt sich ins Auge der Frau, wie sie leise sagt: "Sch?n, dass es noch Hoffnung gibt."
Meneor, naiv: "Aber wenn du deine besten Wünsche verschenkst, bleiben dir ja nur die zweitbesten."
Die Frau ist zuerst verblüfft, ...
... sagt dann aber lachend: "Hahaha, Sie Spassvogel."
Die Frau geht weiter, dreht sich dabei um und sagt mit wehmütigem L?cheln: "Frauen in meinem Alter begnügen sich mit den zweitbesten Wünschen."
Meneor schaut der Frau nach und murmelt: "Warum kommst du nicht nach Genville? Dort kannst du jung und sch?n sein und dir die besten Wünsche g?nnen."
W?hrend die andern schon weiter gezogen sind, ist Piri bei Meneor stehen geblieben und fragt mit leichtem L?cheln: "Gef?llt es dir?"
Meneor, nachdenklich: "Ja, es ist nett ..."
Meneor, Stirn runzelnd: "Aber ich verstehe nicht, warum es ?lter werden will, sodass seine Wünsche und sein Hoffnung immer kleiner werden."
Piri fasst Meneor bei der Hand und setzt sich in Bewegung, um den andern zu folgen. Piri, ernst: "Wenn du in das Kopf des Frau schaust, wirst du ein Mauer aus Angst finden. Das Frau traut sich nicht, über dieses Mauer zu klettern und neue M?glichkeiten für sein Leben zu erschliessen ..."
Piri, wie oben: "Und Hans Hart sorgt mit seinem Terror dafür, dass dieses Mauer immer h?her wird, bis niemand mehr das Mut findet, sich auch nur vorzustellen, wie es hinter ihm aussehen k?nnte."
Meneor, neugierig: "Kannst du nicht ein Virus herstellen, das das Angst aufisst?"
Piri lacht: "Ein Angstfelder essendes Virus? Du bist vielleicht kreativ!"
Piri, wieder ernst: "Ich glaube nicht, dass dies das Weg ist, um ein Bedürfnisstruktur zu korrigieren. Stell dir vor, diese Leute hier h?tten pl?tzlich kein Angst mehr und würden v?llig enthemmt ihre Wutfelder ausleben. Es w?re ein einziges Gemetzel."
Meneor, ernst: "Ja, das war ein dummes Vorschlag."
Meneor, wie oben: "Du musst ein Bedürfnisstruktur herstellen, das genug im Gleichgewicht ist, dass ein Wesen nicht ausrastet, aber auch genug im Ungleichgewicht, dass es noch etwas tun will."
Piri l?chelt Meneor an: "Ja, und das ist nicht leicht."
Meneor schaut Piri gross an und widerspricht ihr mit ehrlicher überzeugung: "Aber du bist doch so. Du bist vollkommen."
Etwas überrascht schaut Piri Meneor mit grossen Augen an.
Noch bevor Piri etwas erwidern kann, mischt sich Iris' Stimme ein: "Genug geturtelt, ihr T?ubchen! Die Arbeit ruft."
Wie Meneor und Piri aufschauen, finden sie sich auf einem Platz wieder, in dessen Mitte ein nicht allzu hoher Sockel mit einem Denkmal steht. Der Platz ist gross genug für etwa zwei- bis dreihundert Leute. An einer der begrenzenden Hausfassaden h?ngt ein Grossbildschirm. Iris befiehlt, auf das Denkmal weisend: "Meneor und Piri stellen sich da neben den Sockel als meine Leibwache! Held und seine Monster verstecken sich dahinter! Ihr andern stellt euch vor den Sockel als Teil des Publikums hin! Ewald wird alles filmen!"
Held protestiert: "Was hast du vor? Du wirst uns alle umbringen."
Iris, im Befehlston: "Keine Zeit für Diskussionen. Mir ist der Kragen geplatzt. Jetzt ist Handeln angesagt."
Obwohl niemand begreift, was das soll, befolgen alle die Anweisungen, w?hrend Iris auf zwei Guards zurennt mit Ewald auf den Fersen, der sie bereits "filmt".
Iris im Befehlston zu den verblüfften Guards: "Ich bin die Sonderbeauftragte von Kommandant Hart für ?ffentlichkeitsarbeit. Bringen Sie alle Leute her! Ich habe etwas Wichtiges zu verkünden."
Ein Guard versucht eine Widerrede: "Aber ..."
Iris blafft ihn an: "Wollen Sie jetzt sofort gehorchen oder soll ich Kommandant Hart Meldung erstatten, was zweifellos für Sie zu einem Aufenthalt im S?uregraben führen wird?"
Eingeschüchtert von Iris' selbstbewusstem Auftreten rennen die Guards los ...
... und finden da und dort Leute, die sie auf den Platz treiben.
Obwohl Iris weiss, dass sie ein gef?hrliches Spiel treibt, l?sst nichts an ihrer Autorit?t zweifeln, wie sie zwei andern Guards befiehlt: "Rufen Sie mir sofort ein Natural News Team, das meine Rede filmt! Und anschliessend helfen Sie dabei, Leute auf den Platz zu treiben. Ich will hier schliesslich kein Selbstgespr?ch führen."
Die Guards sind zuerst unschlüssig, ...
... lassen sich aber von dem Volksauflauf überzeugen, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht. W?hrend sie abmarschieren, um Leute zu finden, spricht einer der Guards in seinen Kommunikator.
Iris geht zurück zum Denkmal, wo sich Meneor und Piri links und rechts als "Leibwache" postiert haben. Iris, zum l?chelnden Meneor: "Du musst einen würdevollen Eindruck machen, Meneor. Du bist schliesslich mein Bodyguard und nicht mein l?ufiger Onkel."
Meneor, l?chelnd, neugierig: "Wie geht das?"
Iris, streng: "Unterbrich mal dein krankhaftes Dauergrinsen. Das ist ja ekelsüss."
Meneor h?rt auf zu l?cheln und versucht würdevoll zu blicken, was aber in ein eher l?cherliches Kulleraugengesicht ausartet. Piri kichert ...
... und sagt, Meneors Gesichtsausdruck nach machend: "Dann werde ich jetzt auch würdevoll blicken."
Seufzend erklimmt Iris zwischen ihren bescheuert aussehenden Bodyguards den Sockel des Denkmals.
Vom Sockel herab betrachtet Iris die Menschenmenge. Inzwischen ist auch das Natural News Filmteam eingetroffen und bahnt sich einen Weg durch die Leute ins vordere Drittel, um Iris gr?sser ins Bild zu bekommen.
Ruhe heischend, hebt Iris ihre Arme. Es wird still und die Leute schauen erwartungsvoll auf Iris.
Mit vor überzeugung loderndem Blick und einer lauten, festen Stimme beginnt Iris ihre Rede: "Ihr steht da und schaut mich an, als sei dies die selbstverst?ndlichste Sache der Welt. Habt ihr denn nichts begriffen? Seid ihr nicht eben dem Tod entronnen? Ist euch nicht klar, dass jemand versucht hat, die Bev?lkerung von Natural City mit einer Biowaffe auszurotten? ..."
Mit dieser provokativen Einleitung hat Iris alle in Bann gezogen. Manche lauschen mit offenem Mund.
Iris, wie oben: "Habt ihr nicht am eigenen Leib erfahren, wie viel Schmerz die sch?ndliche und unnatürliche Gentechnik erzeugen kann? Und ihr steht einfach so da und wollt einfach so weiter leben? Als sei nichts geschehen? Habt ihr denn nichts begriffen? Habt ihr nicht begriffen, dass heute beinahe Endstation war für all eure Wünsche? All eure Hoffnungen? All eure Tr?ume? All eure Liebsten? Seid ihr euch bewusst, wem ihr es zu verdanken habt, dass nichts von all dem verloren ging? Seid ihr euch bewusst, dass es nur einen Mann gibt in dieser Stadt, der euch retten konnte? Der gr?sste, wunderbarste und vollkommendste natürliche Mann, der je gelebt hat? Habt ihr es denn immer noch nicht begriffen? Wieso schweigen eure Herzen? Wieso quellen sie nicht über vor Dankbarkeit für diesen Mann? Wieso ruft ihr nicht laut hinaus: 'Wir danken dir, Kommandant Hans Hart, du bist unser Retter!'?"
Zuf?llig erwacht der Grossbildschirm an der Fassade zum Leben und zeigt ein grosses Standbild von Hans Hart, wie er mit strengem, gütigem Blick auf die Menschen herabschaut. Eine Schlagzeile im Bild verkündet: "Unser Retter!"
Iris beginnt mit erhobener Faust rhythmisch zu schreien: "Hans Hart! Hans Hart! Hans Hart! ..."
Die Leute lassen sich anstecken und rufen ebenfalls "Hans Hart! Hans Hart!".
Iris springt vom Sockel ...
... und beginnt, "Hans Hart!" skandierend, flankiert von Meneor und Piri, zu marschieren.
Das Publikum str?mt Iris nach. Auch Ili, Lapsus und Endo gehen ein paar Schritte mit dem Strom.
Ili bemerkt zwei Guards, die auf die Rückseite der S?ule zugehen, sodass das Trio Held, eingeklemmt zwischen S?ule, Leute und sich n?hernden Guards, nicht mehr ausweichen kann.
Ili fasst Lapsus und Endo bei der Hand und zieht die überraschten auf die Guards zu.
Gerade rechtzeitig, bevor die Guards über das unsichtbare Trio Held stolpern, kann Ili sich vor die Guards stellen, die das "Hochzeitspaar" halb belustigt, halb überrascht bemerken. Ili, freundlich: "Wir machen Hochzeit, aber dann mussten wir auf dieses Platz und jetzt wissen wir nicht mehr, wohin wir gehen müssen."
Guard A, belustigt: "Ich schlage mal vor, ihr geht zum Standesamt."
Guard B, witzelnd: "Oder sollen wir euch standrechtlich erschiessen?"
Die Guards finden den Witz k?stlich und lachen. Ili, freundlich: "Wo ist dieses standrechtliche Amt?"
Die beiden Guards schlagen sich auf die Schenkel vor Lachen, wie Guard B wiederholt: "'Standrechtliches Amt'!"
Da Ili den Guards nahe ist, bemerkt Guard A hinter dem Schleier die durch ihr L?cheln entbl?ssten Eckz?hne und stutzt, w?hrend Guard B weiter lacht.
Neugierig hebt Guard A Ilis Gesichtsschleier hoch ...
... und sagt überrascht: "Bist du ein Genmonster?"
Ili sagt l?chelnd: "Ja.", sodass ihre Z?hne noch deutlicher sichtbar werden, was den Guards das Blut gefrieren l?sst.
Hastig reissen die Guards ihre umgeh?ngten Gewehre von den Schultern.
Ili hilft ihnen dabei und benutzt den Schwung der nach vorn gleitenden Gewehre, um sie den Guards in einer fliessenden, mühelos aussehenden Bewegung zu entreissen ...
... und weg zu werfen, sodass die Guards mit leeren H?nden verblüfft vor der l?chelnden Ili stehen.
Blitzschnell l?sst Guard A seine Faust auf Ilis Gesicht zu schiessen, ...
... doch Ili weicht mit Schlangen gleicher Eleganz aus.
Auch dem Faustschlag von Guard B weicht sie aus.
Ein Stakkato von Tritten und Schl?gen prasselt nun auf Ili ein, deren Schlangenk?rper jedoch mit Ballett artiger Anmut und irrwitzigem Tempo allen Angriffen ausweicht. Lapsus beobachtet den Kampf mit stillem L?cheln. Endo staunt.
Schnell wie ein Geist huscht Ili durch eine Lücke zwischen den Guards, ...
... dreht sich hinter ihnen um ...
... und führt mit je einer Handkante einen seitlichen Schlag gegen die H?lse der Guards, ...
... sodass diese bewusstlos zusammensinken.
Pferdchen klatscht begeistert Beifall und sagt lachend: "Toll, Ili, du bist mein Frau. Lass uns hochzeiten!"
Ili kommt zurück und sagt, ohne jedes Anzeichen einer Anstrengung, l?chelnd zum unsichtbaren Pferdchen: "Gut, dann gehen wir jetzt zu diesem standrechtlichen Amt."
Giftstrauss ruft: "Ich komme auch mit. Ich will dich auch hochzeiten."
Ili, Giftstrauss und Pferdchen lachen.
Endo, neugierig zu Ili: "Warum hast du die Guards nicht einfach gebissen?"
Ili, treuherzig: "Lapsus hat gesagt, ich solle nur t?ten, wenn es unbedingt n?tig ist."
Endo, mit feinem L?cheln zu Pferdchen und Giftstrauss: "Nehmt euch ein Beispiel an Ili, ihr Killermonster!"
Pferdchen protestiert: "Pah, was k?nnen wir dafür, dass wir keine Kampfk?rper haben und unsere Waffen immer t?dlich sind?"
Endo murmelt vor sich hin: "Ja, das sollten wir bedenken beim Entwickeln von Kampforganismen: dass sie auch eine nicht t?dliche Option haben."
Held, finster: "Ich will eure gemütliche Party nicht st?ren, aber sollten wir nicht endlich diese Stadt verlassen?"
Giftstrauss: "Dann folgen wir Iris."
Held, entsetzt: "Du willst dieser irren Schlampe folgen, die diesen Geisteskranken zum Heiligen hoch jubelt?"
Pferdchen: "Iris ist ein hoch intelligentes Frau, das genau weiss, was es tut. Ich sch?tze, dass wir mit seinem Hilfe aus Natural City entkommen, ohne noch ein riskantes Schlacht zu führen."
Held verschl?gt's die Sprache.
Endo, zweifelnd: "Ich kenne diese Frau nicht."
Giftstrauss: "Wenn das Krieger ihm vertraut, dann ist es gut."
Ili nickt l?chelnd: "Ja."
Lapsus nickt ernst: "Klingt überzeugend."
Endo, z?gernd: "Na gut."
If you stumble upon this narrative on Amazon, be aware that it has been stolen from Royal Road. Please report it.
Die letzten Leute verlassen den Platz. Ewald, der "filmend" das Schlusslicht bildet, winkt und ruft: "He, kommt ihr?"
Iris schaut sich um und ersp?ht einen grossen, engagierten Hans-Hart-Schreihals.
Immer vorw?rts schreitend und "Hans Hart" rufend, n?hert sich Iris wie zuf?llig dem Schreihals ...
... und ruft ihm zu: "K?nnen Sie bitte die Führung übernehmen? Und geben Sie nicht auf, bis die ganze Stadt kocht vor Begeisterung, ja?"
Der Schreihals ist zuerst verblüfft, ...
... fühlt sich aber dann geschmeichelt und legt sich mit seinen "Hans-Hart"-Rufen noch mehr ins Zeug.
Iris bewegt sich in Begleitung von Meneor und Piri von der Spitze weg zur Seite, w?hrend ihr neuer Anführer begeistert seine Aufgabe erfüllt.
Wie Iris, Meneor und Piri am Strassenrand stehen und den Aufmarsch an sich vorbei ziehen lassen, fragt Piri: "Woher hast du gewusst, dass Hart sich genau zum richtigen Zeitpunkt mit diesem riesigen Bild als Retter feiern l?sst?"
Iris: "Der Zeitpunkt war reiner Zufall. Aber dass er das tun würde, entspricht doch voll der Psychologik eines Gr?ssenwahnsinnigen."
Das Natural News Filmteam bewegt sich an der Seite des Aufmarsches mit und ist nun bei Iris angelangt. Iris, in einem Befehlston, der keinen Widerspruch duldet: "He, ihr da!"
Das Filmteam schaut neugierig zu Iris, ...
... die wie oben fortf?hrt: "Kommandant Hart wünscht, dass ihr meine Rede so lange in den Natural News wiederholt, bis die Stadt kocht vor Begeisterung."
Das Filmteam schaut etwas unschlüssig.
Iris klatscht in die H?nde und befiehlt streng: "Hopp, hopp! Oder soll ich Kommandant Hart von eurem Widerstand berichten?"
Das Filmteam erschrickt ...
... und eilt davon. Piri, erstaunt: "Warum glauben die das?"
Iris: "In einem Klima der Angst genügt der Anblick einer Autorit?tsperson, um das Denken auszuschalten. Auch wenn diese gar nicht echt ist."
Am Schluss des Aufmarsches stossen Lapsus, Ili, Endo und das unsichtbare Trio Held mit dem filmenden Ewald zu ihnen. Auch zwei Guards folgen dem Aufmarsch ...
... und Iris befiehlt ihnen: "Befehlen Sie sofort allen Natural Guards, die Leute für Huldigungsm?rsche auf die Strassen zu treiben!"
Ein Guard gibt die Anweisung per Kommunikator weiter. Iris, mit unfrohem L?cheln: "Und jetzt besuchen wir den Chef."
Wie Iris voran schreitet, ruft der unsichtbare Held: "Sie ist verrückt! V?llig verrückt!"
Hinzu kommt noch ein "Psssst" von Pferdchen.
Der Guard ohne Kommunikator h?rt verblüfft die Worte, die scheinbar aus dem Nichts kommen ...
... und will seinem Kollegen, der seinen Kommunikator weggesteckt hat, weismachen, dass er eine unsichtbare Person sprechen geh?rt hat, was dieser mit einem schr?gen L?cheln und dem Vogelzeichen quittiert.
Die "Hochzeitsgesellschaft" marschiert zielstrebig in Richtung Universit?t. Endo hat sich Meneor und Piri gen?hrt und fragt neugierig Piri: "Warum folgst du Iris?"
Piri: "Ich gehe mit offenen Augen durch das Welt und versuche die Herausforderungen zu bew?ltigen, welche alles Neue bereit h?lt."
Die Antwort veranlasst Endo zu einem stillen L?cheln.
Endo interessiert zu Meneor: "Und du?"
Meneor deutet auf Piri und sagt l?chelnd: "Ich folge dem Sonne."
überrascht schaut Endo Piri an.
Piri schenkt Meneor ein strahlendes L?cheln, in dem noch die Melancholie über die erlebten Grausamkeiten steckt. Endo denkt beeindruckt: 'Ihr L?cheln ist wirklich wie die Sonne.'
Endo denkt Stirn runzelnd: 'Ich verstehe die beiden nicht. Sie haben nie Angst. Sie verlieren nie den Mut. Als w?re das Leben bloss ein Spiel. Sind sie naiv und dumm ... oder weise ... oder einfach anders ...?'
Wie sie den zerschossenen Eingang der Universit?t erreichen, stehen dort etwa sechs Guards, welche die "Hochzeitsgesellschaft" teils misstrauisch, teils amüsiert be?ugen.
Iris betritt selbstsicher die Treppe. Die Gewehrmündungen der Guards schwenken auf Iris zu.
Mit harmlosem L?cheln, als wollten sie zum Tanz aufspielen, ziehen Meneor und Piri ihre Bet?ubungsfl?ten ...
... und schiessen je drei Nadeln ab in einem Tempo, dass die Bewegung kaum wahrnehmbar ist.
Bewusstlos sinken die Guards zusammen. Die herabfallenden Gewehre klappern auf dem harten Boden.
Mit grimmiger Entschlossenheit marschiert Iris die Treppe hoch, an den Guards vorbei, als w?ren diese gar nicht vorhanden.
In der Mitte der verwüsteten Eingangshalle bleibt Iris stehen und fragt Meneor: "Wo finde ich Kommandant Hart?"
Meneor schliesst die Augen und konzentriert sich, ...
... ?ffnet sie wieder und deutet auf die Treppe, die auch Caesar und Myrta benutzt haben bei ihrem Kampf gegen Helds Panzer.
Iris, zu Meneor und Piri, bestimmt: "Geht ihr vor! Es hat bestimmt noch mehr Wachen unterwegs."
Elegant und schwerelos wie Antilopen und v?llig ger?uschlos springen Piri und Meneor die Treppe hoch, ...
... bet?uben oben zwei Wachen ...
... und winken den andern, ihnen zu folgen.
Vor Hans Harts Büro liegen die Wachen schon bewusstlos am Boden, wie Iris tief durch atmend vor der Tür steht.
Ohne ihn anzusehen, flüstert Iris zu Ewald, der hinter ihr steht: "Du filmst alles, ja?"
Ewald, aufmerksam: "Klar."
Der unsichtbare Giftstrauss: "Wir bleiben draussen, falls jemand kommt."
Iris klopft an die Tür ...
... und wie das "Herein" ert?nt, betritt sie das Büro.
Mit einem Bein am Boden sitzt Hart auf der Kante seines Pults und schaut sich die Natural News-Sendung im Fernsehen an. Iris' Rede ist vorbei und es ist der "Hans Hart" rufende Aufmarsch zu sehen.
Ewas ungehalten über die St?rung und ohne den Blick vom Fernseher abzuwenden, sagt Hart: "Ja, was ist?"
Hart h?rt Iris aus dem Off sagen: "Kommandant Hart, ich bin Iris, Ihre neue Sonderbeauftragte für ?ffentlichkeitsarbeit."
Hart, der einen Guard erwartet hat, dreht sich, irritiert von der weiblichen Stimme und der merkwürdigen Ansage, zu seinem Besuch um ...
... und sieht verblüfft die ganze "Hochzeitsgesellschaft" mit Iris, Ewald, Meneor, Piri, Endo, Ili und Lapsus in seinem Büro stehen.
Schnell verwandelt sich Harts überraschung in ?rger und, ohne auf Iris' Worte Bezug zu nehmen, sagt er grantig: "Hier ist nicht das Standesamt. Bitte verlassen Sie sofort mein Büro!"
Iris, ruhig und bestimmt: "Sie sollen keine Trauung vollziehen, sondern mir zuh?ren."
Harts Zornesadern schwellen an und er brüllt: "Verlassen Sie sofort mein Büro! Wache!"
Iris, wie oben: "Sie macht eben ein Nickerchen, um unser Gespr?ch nicht zu st?ren."
Wütend l?sst Hart seine Hand zum Kommunikator auf seinem Pult schnellen und sagt giftig: "Nun, es gibt noch mehr Guards."
Wie Harts Hand den Kommunikator berührt, bohren sich gleichzeitig zwei Messer in das Ger?t und machen es unbrauchbar.
Hart l?sst seine Hand zurückzucken und schaut entsetzt auf Piri und Meneor, die l?chelnd Iris flankieren.
Iris verweist auf Piri und Meneor und erl?utert h?flich: "Darf ich Ihnen meine Leibwache vorstellen? Die Forschende Piri und der Krieger Meneor. Sie haben sich gegen eine fünfzigfache übermacht aus Genville frei gek?mpft. Es empfiehlt sich also nicht, sich mit ihnen anzulegen."
Vor Fassungslosigkeit versagt Hart fast die Stimme: "Sie wagen es, diese Genmonster hierher zu bringen? Sie ..."
Iris, ruhig und bestimmt: "Oh, ich folge nur Ihrem Beispiel, Kommandant Hart. Auch Sie haben doch das Chromos 4-Genmonster Caesar in Ihre Dienste genommen, weil ..."
Hart ruft ver?rgert: "Was heisst hier 'genommen'? Dieser Scheisskerl hat mich erpresst."
Iris, wie oben: "Langsam n?hern wir uns dem Thema, denn auch wir stehen unter dem pers?nlichen Schutz von Caesar und erwarten deshalb dieselbe zuvorkommende Behandlung."
Hart stutzt und denkt verunsichert: 'Was geht hier vor?'
Iris, wie oben: "Wie ich sehe, sind Sie jetzt bereit, meinen Vorschlag anzuh?ren."
Hart weiss nicht, was er tun soll, und schweigt.
Iris, wie oben: "Wie gesagt, bin ich Ihre neue Sonderbeauftragte für ?ffentlichkeitsarbeit und werde einen Designfehler Ihrer Herrschaft korrigieren."
Hart, verwirrt: "Designfehler?"
Iris, wie oben: "Sie haben bisher durch die Erzeugung von Angst regiert. Angst l?hmt jedoch die Initiative und die Schaffenskraft. Auch birgt Angst die Gefahr, dass Leute aus Verzweiflung einen Aufstand oder ein Attentat planen. Angst ist daher ein ineffizientes und riskantes Mittel, um Ihre Herrschaft zu festigen."
Hart, trotzig: "Wenn die Leute nicht zittern vor Angst, werden sie frech."
Iris, wie oben: "Wenn die Menschen erfüllt sind von Bewunderung und Ehrfurcht werden sie auch nicht frech."
Hart, trotzig: "Ich werde ihnen die Bewunderung schon einpeitschen."
Iris, wie oben: "Das haben Sie nicht n?tig. Der grosse Kommandant Hart hat heute die Bev?lkerung von Natural City gerettet. Dafür sind die Menschen Ihnen dankbar. Ich habe ihnen diese Dankbarkeit mit meiner Rede ins Bewusstsein gebracht. Bis heute Abend wird die Stadt erbeben von begeisterten Sprechch?ren. Nutzen Sie die Gunst der Stunde und gründen Sie Ihre zukünftige Herrschaft auf diese Begeisterung."
Hart, zynisch: "Pah, diese Begeisterung wird bald verfliegen. Mein Zuchtprogramm mit der Vernichtung wertlosen Lebens passt dem P?bel nicht. Da hilft nur die strenge Knute."
Iris, kalt und hart: "Sie werden dieses 'Zuchtprogramm' sofort einstellen. Dann haben Sie keine Akzeptanzprobleme mehr."
Vor Wut kann Hart nicht sprechen. Seine Augen glühen.
Hart reisst sich zusammen, l?sst seine Wut gefrieren, führt seine Hand unauff?llig zur Pistole an seiner Hüfte und sagt mit eiskaltem Blick: "Ich empfehle Ihnen, jetzt sofort mein Büro zu verlassen."
Hart zieht die Pistole und will seinen Arm hoch reissen, um sie auf Iris zu richten.
Noch bevor die Mündung auf Iris zeigt, verschwimmt Piris K?rper in einer raschen Bewegung auf Hart zu, ...
... wo sie ihm mühelos die Pistole aus der Hand nimmt, als w?re er ein kleiner, ungezogener Junge.
Hart, der nicht recht begreift, wie ihm geschieht, schaut etwas dümmlich auf die Pistole, die Piri ihm vors Gesicht h?lt, ...
... wo Piri die Pistole vor dem nun überraschten Hart, mit einer Hand zerquetscht.
Piri h?lt den entfernt an einen Briefbeschwerer erinnernden Pistolenklumpen über Harts Pult und schaut suchend auf die Pultfl?che. Piri, freundlich: "Ich denke, wenn Sie Ihr Pistole als Briefbeschwerer verwenden, ..."
Piri l?sst den "Briefbeschwerer" auf einen Stapel Papiere knallen und f?hrt wie oben fort: "... wird es Ihnen zum Abwechslung ein nützliches Dienst erweisen."
Verunsichert beobachtet Hart, wie Piri so schnell, wie sie gekommen ist, zurück huscht an ihren alten Platz ...
... und tut, als w?re nichts geschehen.
Chief Helds wütendes Geschimpfe dringt durch die offene Bürotür herein: "Ihr sollt diesen kranken Schweinehund umbringen, und zwar sofort!"
Hart ist befremdet.
Pferdchens Stimme: "Beruhige dich, Chief. Lassen wir Iris machen. Es ist wie das Krieger. Es k?mpft mit dem Kopf. Es gef?llt mir."
Iris staunt, von einem Genmonster ein solches Kompliment zu h?ren.
Ein zorniger Chief Held rennt ins Büro schnurstracks auf Hart zu und brüllt: "Du verdammter Verr?ter!"
Hart stutzt und murmelt: "Chief Held?"
Held ist dabei, sich auf Hart zu stürzen, hat ihn aber noch nicht erreicht, sodass Hart noch Gelegenheit hat, wütend zu brüllen: "Du verdammter Verr?ter!"
Blind vor Wut l?sst Held seine Faust auf Harts Gesicht zu schiessen, ...
... der ausweicht, sodass Held nun seitlich vor Hart steht, ...
... der Held das Knie in den Rücken rammt, ...
... sodass Held sich am Pult aufstützen muss, ...
... wo ihm zuf?llig die zum Briefbeschwerer umfunktionierte Pistole in die Hand f?llt.
Held schwingt herum und Hart sieht erschrocken, den Briefbeschwerer auf sich zurasen.
Um auszuweichen, l?sst Hart sich einknicken, als ob er sich vor Held verbeugen wollte.
Held gelingt es, die Bahn des Briefbeschwerers so zu korrigieren, dass der Briefbeschwerer nach unten saust und Hart an der Schulter trifft, der ein schmerzliches "Ungh" von sich gibt.
Hart richtet sich schwungvoll auf, zieht gleichzeitig seinen Arm hoch und kann Held mit dem Faustrücken seitlich ins Gesicht schlagen.
V?llig verblüfft von dieser Entwicklung starrt das Publikum auf die beiden Streith?hne, die sich weiter prügeln.
Iris fasst sich, stemmt ihre Arme in die Seiten und schimpft wie eine gestrenge Lehrerin: "He, Leute, wir sind hier nicht im Sandkasten!"
Iris' Worte verhallen wirkungslos und mit einer hilflosen Geste zeigt sie, dass sie nicht mehr weiter weiss.
Piri, ernsthaft: "Aber Iris, das ist doch das Hauptsache bei den Natürlichen: Welches das St?rkere ist."
Iris, Kopf schüttelnd: "Aber muss es denn so peinlich sein?"
Iris greift sich wie eine leidende Diva an den Kopf uns sagt: "Trennt die beiden! Ich halt das nicht mehr aus."
Sofort huschen Piri und Meneor nach vorn, wobei Meneor sich Hart greift und Piri Held packt.
Hilflos, als ob ihre Oberarme in Schraubst?cken gespannt w?ren, stehen sich Held und Hart gegenüber. Schwer atmend, grün und blau vom Kampf, mit vom blanken Hass entstellten Gesichtern und gebleckten Z?hnen starren sich die beiden an wie geifernde K?ter, die sich gleich wieder an die Kehle springen.
Iris stellt sich zwischen Hart und Held, gibt jedem eine klatschende Ohrfeige und sagt streng: "He, ihr Hormonis, hier spielt die Musik!"
Die überraschende Wendung, die ihr Kampf genommen hat, l?sst Hart und Held etwas dümmlich dreinschauen.
Als entdeckten sie erst jetzt, dass noch Leute im Raum sind, straffen sich unwillkürlich ihre K?rper und ihre Gesichter versuchen etwas missglückt den üblichen Ausdruck unnahbarer M?nnlichkeit wiederherzustellen.
Iris, zu Hart, bestimmt: "Kommandant Hart, als Gegenleistung, dass ich Sie zum gefeierten Helden von Natural City mache, werden Sie dieses perverse Selbstmordparadies abreissen, keine Leute mehr k?pfen und den Alten, Behinderten und Bedürftigen wieder ihre Renten auszahlen."
Hart, aggressiv: "Ich werde alle Gene ausmerzen, welche die Natürlichen daran hindern, vollkommen zu sein. Dafür müssen alle Schwachen und Schadhaften sterben. Da lasse ich mir von niemandem drein reden."
Iris protestiert: "Aber Selektion durch Mord ist die barbarischste Form der Gentechnik. Warum lassen Sie die Leute, deren Gene Sie nicht mehr wollen, nicht einfach sterilisieren?"
Hart, wie oben: "Und dieser Abschaum lebt dann weiter, verbraucht kostbare Ressourcen und darf st?ndig seinen negativen Einfluss auf die Gesellschaft ausüben?"
Iris, kalt: "Wie ich feststellen muss, sind Sie nicht einsichtig. Trotzdem werden Sie genau das tun, was ich Ihnen gesagt habe. Andernfalls werden Sie sterben."
Hart lacht hart und ver?chtlich: "Hahaha. Ich lasse mir von einer kleinen Schlampe nichts befehlen."
Iris führt ihr Gesicht nahe an Harts Gesicht und sagt knallhart: "H?ren Sie zu, Sie kleiner Scheisser! Sie haben alle meine Natural News Reportagen vernichtet und damit mein Lebenswerk zerst?rt. Ich werde Sie also mit Genuss in kleine Scheiben schneiden, durch den Fleischwolf pressen und als Fleischb?llchen an Ihre Guards verfüttern. Bevor die merken, dass sie ihren Chef aufgefressen haben, bin ich über alle Berge."
Hart wird's ungemütlich und er versucht mit einem gequ?lten L?cheln seine Unbeeindrucktheit zu zeigen: "Pah."
Iris zieht ein Messer aus Meneors Gürtel, ...
... sagt "Sirrr" zu ihm ...
... und beginnt vor dem zunehmend mulmig wirkenden Hart schmale Streifen von Harts Pult abzutrennen.
Iris h?lt inne, schaut Hart an und fragt eiskalt: "Wo wollen wir beginnen, Kommandant Hart?"
Iris kniet nieder und sagt dabei: "Vielleicht bei den Füssen?"
Harts Widerstand zerbr?ckelt und er ruft entsetzt: "Sind Sie wahnsinnig?!"
Held lacht schadenfroh: "Hahaha."
Iris kniet vor Hart und n?hert die Messerklinge unbeirrbar dem Vorderteil von Harts Schuh. Um Hart am Ausweichen zu hindern, drückt Meneor mit seinem Fuss auf Harts Schuh.
Wie die Klinge den Schuh zu durchtrennen beginnt, ist Harts Ruf aus dem Off zu h?ren: "Stopp, aufh?ren! Ich werde tun, was Sie verlangen!"
Ohne jedes Anzeichen von Triumph, mit Augen wie Eiswürfel schaut Iris zu Hart hoch und sagt: "Das hoffe ich für Ihre Gesundheit."
Hart schaudert bei dem Anblick.
Hart, voller Unbehagen, zu Iris, die inzwischen aufgestanden ist: "Sie sind komplett dem Irrsinn verfallen."
Iris, kühl: "Das, was Sie den Menschen t?glich antun, ist v?llig normal. Aber wenn es Ihnen geschieht, ist es pl?tzlich Irrsinn?"
Hart gelingt es, wieder etwas Haltung anzunehmen: "Ich spreche davon, dass Sie mich angreifen und glauben, mit dem Leben davon zu kommen."
Iris, mit einem feinen, b?sen L?cheln: "Sie vergessen, dass wir unter Caesars Schutz stehen. Wenn uns jemand ein Haar krümmen will, wird das n?chste Virus nicht nur den Verdauungstrakt kitzeln, sondern eine Sense tragen und die gesamte Bev?lkerung von Natural City t?ten. Sie werden also unverzüglich meine Anweisungen befolgen."
Iris dreht sich um und befiehlt: "Gehen wir! Kommandant Hart hat zu tun."
Alle sind dabei, das Büro zu verlassen, auch Held, der dabei h?hnisch zu Hart sagt: "Na, wie fühlst du dich als kleiner Erfüllungsgehilfe einer übergeschnappten?"
Held, das Büro verlassend, lacht dreckig: "Hahaha."
Mit finsterem Blick starrt Hart seinem Besuch nach. Es ist nicht klar, wie er sich entscheiden wird.
Draussen auf dem Flur meint Endo nachdenklich zu Iris: "Du hast gelogen. Du weisst gar nicht, ob Caesar ihn mit einem Virus erpresst."
Iris, ernst: "Womit sollte ein Gentechniker einen Diktator wohl sonst erpressen als mit der Drohung, ihm sein Lieblingsspielzeug, das Volk, wegzunehmen?"
Endo l?chelt beeindruckt: "Da hast du wohl recht."
Endo, neugierig: "Und was machen wir jetzt?"
Pferdchen: "Giftstrauss und ich sollten nach Genville zurückgehen. Wir fallen hier auf."
Ili, in freudiger Erwartung: "Ich m?chte auch nach Genville. Lapsus und ich haben lange genug in den Kellern dieses Stadt gelebt. Jetzt m?chte ich das Paradies sehen."
Endo, z?gerlich: "Ist es dort sicher?"
Piri, treuherzig: "Ja, ich denke schon."
Endo: "Gut, dann würde ich auch gern nach Genville gehen."
Iris, entschlossen: "Ich werde bleiben und die Geschichte ver?ndern, indem ich dafür sorge, dass Hart nicht aus dem Ruder l?uft."
Piri drückt Meneors Arm an sich und sagt l?chelnd: "Und dein Leibwache wird dich beschützen."
Held, der immer noch sichtbar ist, dunkel: "Ich bleibe auch."
Iris, ver?chtlich: "Sozusagen als Reserve-Diktator, was?"
Held, ver?rgert: "Pah."
Held schluckt seinen ?rger runter und fordert: "Aber ich brauche eine Pistole, damit ich im Ernstfall helfen kann."
Piri bricht ihre Bet?ubungsfl?te entzwei und sagt: "Du bekommst ein Bet?ubungsfl?te. Falls du uns beim n?chsten Wutanfall wieder umbringen willst, kannst du damit kein Schaden anrichten."
Widerwillig nimmt Held die Fl?te an. Piri: "Es wird bald nach gewachsen sein."
Held, mit grimmigem L?cheln: "Das war doch bloss ein Scherz. Warum sollte ich euch umbringen?"
Meneor: "Das Wut der Herrschbedürftigen verlangt immer nach Blut."
Held ist etwas irritiert. Die andern sind beeindruckt.
Iris: "Dann werde ich jetzt bei unserem Kommandanten freies Geleit anfordern."
Szeneanfang:
W?hrend die "Hochzeitsgesellschaft" in Richtung Stadtrand durch Natural City zieht, sind überall "Hans Hart! Hans Hart!"-Rufe zu h?ren. Held sitzt wieder unsichtbar auf Giftstrauss.
Mit zum Haltezeichen erhobenen H?nden stellen sich ihnen zwei Guards wichtig tuerisch in den Weg.
Guard A, im Befehlston: "Schliesst euch sofort einem Demonstrationszug an! Heiraten k?nnt ihr sp?ter."
Die beiden Guards lachen über diesen Scherz und Guard B sagt: "Und sch?n laut rufen!"
Aus der Richtung des unsichtbaren Held rasen zwei Bet?ubungsnadeln auf die Guards zu, welche die kleinen Geschosse nicht bemerken.
Kaum haben sich die Nadeln in die Gesichter der Guards gebohrt, fallen die M?nner bewusstlos um.
Wie die Hochzeitsgesellschaft an den Guards vorbeizieht, ist Helds Stimme zu h?ren: "Sch?n laut schnarchen! Hahaha."
Iris, mit schwachem Grinsen, zu Piri: "Dein Spielzeug scheint ihm zu gefallen."
Piri kichert.
Etwas sp?ter, jenseits des S?uregrabens, besteigen sie die Mauer, die Natural City von der Wüste trennt.
Wie sie auf der Mauerkrone ankommen, ruft Iris mit trichterf?rmig angelegten H?nden im Befehlston zum Wachturm: "Treppe ausfahren!"
Wie eine Zugbrücke senkt sich quietschend eine Stahltreppe von der Turmwand herab in den Wüstensand, sodass sie von der Mauer aus begehbar ist.
Sie erreichen die Treppe und Endo fragt unsicher: "Und wenn Kommandant Hart den Turmbesatzungen befohlen hat, uns in den Rücken zu schiessen?"
Piri und Meneor werfen sich einen Blick zu ...
... und stieben auseinander. Piri rennt in den Wachturm, vor dem sie stehen, und Meneor in den benachbarten.
Wenige Sekunden sp?ter sind die beiden zurück. Piri, l?chelnd: "So, die machen jetzt ein Nickerchen und denken nicht mehr ans Schiessen."
Piri l?chelt auffordernd: "Nun versucht schon auf dem Pilzwesen zu reiten."
Mit Pferdchen auf dem Rücken kommt Giftstrauss hinter der Cham?leondecke hervor und geht zielstrebig auf die Treppe zu. Ili und Lapsus folgen ihnen. Endo z?gert, ...
... dreht sich zum unsichtbaren Held um und fragt: "?hm, k?nnen wir uns die Cham?leondecke teilen? Sie wird schon nach wachsen."
Held wird sichtbar, wie er die Decke zu einer Wurst zusammen knüllt, ...
... um sie mit vor Anstrengung rotem Kopf zu zerreissen, was jedoch nicht gelingt.
Ein dicht vor Helds Gesicht ausgeführter Messerstreich halbiert die Decke mühelos.
Aufgrund des pl?tzlich nachlassenden Widerstandes federn die Arme von Held mit je einer Deckenh?lfte auseinander, was Held mit einem schmerzlichen "Uff" kommentiert.
W?hrend Endo die eine Deckenh?lfte an sich nimmt, schimpft Held mit Meneor, der den Messerstreich ausgeführt hat: "Du Idiot h?ttest mir den Brustkorb aufschneiden k?nnen."
Meneor, der nicht begreift, dass Held an seiner Pr?zision zweifelt, fragt naiv: "Warum sollte ich dir das Brustkorb auf schneiden?"
Held schl?gt's auf den Rücken. Allgemeines Kichern.
Endo, Pferdchen auf eigenen Beinen, Giftstrauss, Ili und Lapsus verlassen die Metalltreppe und betreten die Wüste, ...
... wo sie sich mit einigen Metern Abstand in einer Reihe aufstellen.
Alle schliessen die Augen und senken den Kopf, fast wie zum Gebet, um sich darauf zu konzentrieren, mit dem Pilzwesen in Verbindung zu treten.
Alsbald durchbrechen kr?ftige Tentakel den Wüstenboden, ...
... tragen die Reisewilligen auf kleinen Plattformen in die H?he, ...
... biegen sich zurück, ...
... um ihre Last nach vorn zu katapultieren, ...
... wo schon die n?chsten Tentakel aus dem Boden schnellen, um für den Fortgang der Reise zu sorgen.
Wie Ili ein zweites Mal mit wehendem Hochzeitskleid im Bogen durch die Luft fliegt, st?sst sie ein fr?hliches "Juhuuuu!" aus. Ewald, der dies beobachtet, steht neben Iris und sagt mit feinem L?cheln: "Was für eine Hochzeitsreise!"
Iris betrachtet Ewald leicht verwundert, ...
... schaut mit stillem L?cheln vor sich hin und murmelt: "Ewald, du romantisches Weichei."
Spontan gibt Ewald Iris einen schmatzenden Kuss auf die Wange, ...
... was Iris err?ten und erstarren l?sst, weil sie zuerst begreifen muss, was ihr eben widerfahren ist.
Piri lacht: "Das war jetzt ein echtes Weichei-Schocker."
Mit einem wütenden "Arrrggg" rennt Iris dem lachend fliehenden Ewald nach.
Befremdet betrachtet Held die Szene und sagt zu sich selber: "Was tue ich hier?"
Meneor und Piri rennen Iris nach. Wie Piri an Held vorbei kommt, ruft sie ihm fr?hlich zu: "Am besten unsichtbar sein!"
Sich in die Cham?leondecke hüllend, folgt Held den andern und murmelt leicht verwirrt: "?hm, ja ..."
Szeneanfang:
Minuten sp?ter stehen Meneor, Piri, Ewald, Iris und der halb sichtbare Held in Caesars Büro, wo Myrta, bewacht von Doi, bewusstlos auf einem Sofa liegt. Caesar sagt: "Hart hat verlangt, dass ich euch t?te, weil ihr es bedroht habt. Ich habe ihm erkl?rt, dass ihr unter meinem pers?nlichen Schutz steht."
Iris, grinsend: "Das habe ich ihm auch gesagt. Schliesslich musst du ja einen Schutzschild haben, sonst h?tte er ein Genmonster wie dich schon l?ngst umgebracht."
Caesar l?chelt grimmig: "In meinem Blut sind Viren. Wenn sie mich erschiessen, gelangen sie in das Luft und verbreiten sich. Auch habe ich überall kleine Organismen versteckt, die mich einmal in dem Woche sehen müssen, weil sie sonst aufplatzen und dieselben Viren verstreuen. Das Virus ist hoch ansteckend und so aggressiv, dass es innert kürzester Zeit das gesamte natürliche Bev?lkerung von Natural City ausrotten würde."
Iris ist etwas schockiert: "Ich habe es vermutet, aber es so ungeschminkt zu h?ren, ist doch irgendwie erschreckend."
Held, ?tzend: "Genmonster sind immer irgendwie erschreckend."
Ewald, ruhig: "Ja, solange sie der schrecklichen Fantasie von uns Natürlichen entspringen."
Held, grimmig zu Ewald: "Du findest es also in Ordnung, eine ganze Stadt mit Ausrottung zu bedrohen, nur um sein eigenes kümmerliches Leben zu retten?"
Ewald, grimmig zu Held: "Diktatoren neigen dazu, auch mal 500.000 Leute in den S?uregraben zu kippen, wenn es ihnen in den Kram passt. Diese Irren k?nnen nur mit drastischen Mitteln gestoppt werden. Oder glaubst du, wir w?ren jetzt noch am Leben ohne Caesars 'Schutzschild'?"
Die Erw?hnung seines Massenmordes l?sst Held ver?rgert verstummen.
Iris, unsicher: "Ob ich Kommandant Hart so gedemütigt habe, dass er jetzt durchdreht? Er k?nnte uns in den S?uregraben werfen, sodass Caesars Viren keine Chance haben, sich auszubreiten. Bestimmt hat er Caesar beschatten lassen und weiss l?ngst, wo die kleinen Organismen mit den Viren versteckt sind. Also kann er sie einsammeln lassen und ebenfalls in den S?uregraben werfen."
Caesar, der sich solche überlegungen auch immer wieder macht, dunkel: "Hart wird sich beherrschen. Ohne mein Genie h?tte es Natural City nicht auf Solarenergie umstellen k?nnen. Ohne mein Gentechnik k?nnte es das Wüste nicht bepflanzen und das Planet zurück erobern."
Iris, überrascht: "Was?! Dieser Heuchler benutzt gentechnisch hergestellte Pflanzen, ..."
Caesar, ernst: "... die es als Erfolge seines natürlichen Zucht ausgibt."
Iris ist fassungslos ...
... und murmelt vor sich hin: "Ich verstehe nicht, wie Leute mit solchen Widersprüchen leben k?nnen."
Ewald, kritisch zu Iris: "Na du hast doch in den Natural News auch immer nur gesagt, was dir Quote gebracht und den Herrschenden gefallen hat, um deine Karriere voran zu bringen. Deine eigene Meinung hast du unterdrückt."
Iris schl?gt mit der Faust nicht allzu stark auf Ewalds Brust und ruft gequ?lt: "Hatte ich denn überhaupt eine eigene Meinung?! Und musst du das gerade jetzt sagen?!"
Iris setzt sich mit vors Gesicht geschlagenen H?nden, ...
... legt die H?nde auf die Knie und sagt, zu Ewald aufschauend, gequ?lt: "Sind wir Natürlichen denn bloss Dreck?"
Ewald, leise, mit schmerzlichem L?cheln: "Scheint so."
Held, ver?chtlich: "Genmonster sind auch Dreck. Oder glaubt ihr etwa, dass Caesar uns am Leben lassen wird?"
Alle schauen Held überrascht an.
Held, auf Iris weisend, wie oben: "Diese Nachrichtenschlampe behindert Caesars Machtübernahme, indem sie Hart zum unsterblichen Volkshelden hoch jubelt. Wir andern sind für Hart eine l?stige Bedrohung, was ihn zu unberechenbaren Aktionen verleiten k?nnte. Wenn Caesar uns beseitigt, ist sein Verh?ltnis zu Hart gerettet und er kann seinen Plan in Ruhe weiterverfolgen."
Schweigend ruhen aller Augen auf Caesar, der mit ernstem Gesicht überlegt.
Caesar, ernst und nachdenklich vor sich hin: "Als Herrscher dieses Universit?t konnte ich bereits einiges an Herrschvergnügen geniessen. Doch musste ich feststellen, dass die andern Bedürfnisse zu kurz kommen. Niemand interessiert sich mehr um deines Selbst willen. Alle wollen sie entweder dein Gunst oder dein Posten. Dieses Reduktion auf ein einziges Vergnügen kann nicht mein Lebensziel sein ..."
Caesar schaut auf, wie oben: "Macht macht einsam. Eines Tages werde ich vielleicht Ambellmi bitten, mein Herrschbedürfnis zu l?schen ..."
Piri, überrascht: "Woher weisst du von Ambellmi?"
Caesar stellt den Bildschirm an, wo aus der Perspektive eines Grossdois die Genvilles zu sehen sind, die sich immer noch bei den Nutzwesen von ihrer Schlacht erholen, und sagt mit feinem L?cheln: "Um nicht ganz zu vereinsamen, wollte ich Anteil haben an eurem Leben und habe euch deshalb die Grossdois geschickt, durch deren Kameras ich alles beobachten kann."
Iris ruft spontan: "Ha, w?hrend wir eine Stadt retten und Ili und Lapsus befreien, liegt ihr nur faul herum und bietet eure B?uche der Sonne dar!"
Caesar, wie oben: "Sie k?nnen dich nicht h?ren ..."
Iris, abwinkend: "Schon gut, ich werde ihnen die Leviten lesen, wenn wir zurück sind."
Ewald, unsicher: "Dann m?chtest du also doch nach Genville zurück?"
Iris nickt: "Jawohl, ich habe begriffen, wo die Zukunft liegt. Ich m?chte hier nur noch das Schlimmste verhindern."
Ewald atmet erleichtert aus. Iris fragt ihn erstaunt: "Was ist?"
Ewald kann seine Freude nicht verbergen: "Ich hatte echt Angst, den Rest meines Lebens unter Natürlichen verbringen zu müssen."
Iris, unfreundlich: "Spinner! Tut so, als sei er was Besseres."
Piri, fr?hlich zu Held: "Siehst du, Chief, Caesar wird uns schon nicht umbringen."
Held, ver?chtlich: "Würdest du jemandem ins Gesicht sagen, dass du ihn umbringen willst, wenn du in der schw?cheren Position bist, du Naivchen?"
Mit den Fingern am Kinn blickt Piri studierend nach oben und sagt naiv: "Das habe ich mir noch nie überlegt."
Held, mit ver?chtlichem Grinsen: "Wie konnte eine so dumme Person so lange überleben?"
Piri, treuherzig zu Held: "Weisst du, Chief, wenn Caesar versucht mich zu t?ten, hat Meneor es sp?testens in zwei Sekunden in tausend kleine Würfel geschnitten."
Alle schweigen überrascht bis entsetzt über Piris brutalen Satz.
Ewald versucht mit einem gezwungenem "Ha Ha Ha" die Spannung zu l?sen.
Doi, zu Caesar: "Wenn du in tausend Würfeln bist, dann bist du ein Würfelcaesar."
Ausser Caesar, der Dois Sprüche gewohnt ist, l?sst die Absurdit?t des Augenblicks alle sprachlos auf Doi starren.
Szeneanfang:
Nachdem sie die ganze Nacht unterwegs waren, landen Pferdchen, Giftstrauss, Ili, Endo und Lapsus bei Sonnenaufgang am Rand von Genville auf dem Wüstenboden.
Giftstrauss und Pferdchen in fr?hlicher Unbeschwertheit, Lapsus eher bescheiden und zurückhaltend, Endo vorsichtig bis ?ngstlich und Ili mit den grossen, staunenden Augen eines Kindes betreten sie die Siedlung.
Aus der Richtung des Theaterplatzes ert?nt ein "Juhuuu". Lapsus, erstaunt: "Aber das ist doch Ilis Stimme!"
Endo, befremdet: "Was geht hier vor?"
Pferdchen trabt fr?hlich voran und ruft: "Lasst uns nachsehen!"
Alle Genvilles sitzen im Theater auf der Tribüne und sehen sich auf dem Bildschirm an, wie Ili und die anderen auf dem Pilzwesen Natural City verlassen. Antara ist inzwischen aufgewacht. Sie h?lt den Kopf des immer noch bewusstlosen Chromos 5 auf ihrem Schoss. Auch Aladan liegt mit seinen hoch gelagerten, sich langsam erholenden Füssen auf der Tribüne.
Pferdchen spottet zu den Genvilles: "Ihr seid wohl zu faul, ein eigens Leben zu führen. Deshalb müsst ihr an unserem teilhaben. Hahaha."
Wagon wiegt den Kopf, als suche sie nach einer Entschuldigung: "Och ..."
Aladan spielt den selbst verliebten, parfümierten Poeten:
"Dekadenz:
Wenn ein Wesen alles hat,
liegt es nur da, weil es ja satt."
Martin erhebt sich, r?uspert sich und sagt feierlich: "?hm, bevor das hier ausartet ... Ich bin Martin Eck, Gemütlichkeitsverwalter. Ich m?chte meine Freude über die erfolgreiche Befreiung von Ili und Lapsus ausdrücken und heisse euch und natürlich auch Endo, Pferdchen und Giftstrauss herzlich willkommen in Genville."
Da die Neuank?mmlinge keine Ahnung von offiziellen Ansprachen haben, stehen sie bloss schweigend da und wissen nicht, was sie tun sollen.
Pferdchen bricht das Schweigen: "?hm, was ist ein 'Gemütlichkeitsverwalter'?"
Lara kichert: "Das ist eines, das will, dass ihr es euch bei uns gemütlich macht."
Lachen und Kichern der Genvilles. Martin verdreht seine Augen zum Himmel und denkt schicksalsergeben: 'Es nimmt seinen Lauf.'
Pferdchen und Giftstrauss legen sich in einer entspannten Stellung, die "Gemütlich" darstellen soll, hin. Pferdchen weist auf den etwas steif dastehenden Endo und ruft: "He, Martin, wirf Endo auch ein Stück Gemütlichkeit zu, das steht so steif da!"
Unbeeindruckt vom Gel?chter und Gekicher deutet Endo auf Chromos 5 und fragt besorgt: "Was hat der Mann?"
Lara, fr?hlich: "Hisch hat ihm die Nerven durchgeschnitten und ihn zum Tetraplegiker gemacht. Pass auf, Hisch ist gef?hrlich!"
Zur Unterstreichung von Laras Worten faucht Hisch Endo an wie eine wütende Katze. Endo macht eine erschrockene Abwehrbewegung, ...
... was bei den Genvilles wieder Gel?chter erzeugt. Endo ist verwirrt.
Lapsus, mit feinem L?cheln: "Ich glaube, Endo m?chte wissen, ob Genville ein sicheres Ort ist."
Wagon, als habe sie etwas zu verbergen: "Och ..."
Endo, unsicher: "Wann war der letzte Angriff auf diese Siedlung?"
Wagon kratzt sich am Kopf, als habe sie Mühe, sich zu erinnern: "Och ..."
Wagon tut so, als gel?nge es ihr doch noch unter grosser Anstrengung, sich zu erinnern: "Was das nicht gestern?"
Lara macht mit bei der Kom?die: "Ja, ja, da k?nntest du recht haben."
Endo ist schockiert.
Giftstrauss: "Und was war das für ein Angriff?"
Die Genvilles schauen sich betroffen an. Lara, sich betroffen an den Mund fassend: "Ups, in dem Hektik des Kampfes haben wir ganz vergessen, Aufzeichnungen zu machen."
Endo schl?gt's vor Schreck auf den Rücken, wie das grosse Bildschirmwesen auf der Bühne ruft: "Nichts da, es ist alles aufgezeichnet! Oder glaubt ihr, wir überlassen das Dokumentation von Genvilles Geschichte den Launen von euch nutzlosen Wesen?"
Jetzt sind auch die Genvilles verblüfft.
Aladan fasst sich schnell und ruft triumphierend: "Das ist ausgezeichnet! Dann k?nnen die Neuank?mmlinge gleich meine Heldentaten bewundern."
Szeneanfang:
Etwas sp?ter, so gegen Mittag sind die Neuank?mmlinge umfassend über den Angriff der Giftkrieger informiert. Estragon führt Ili und Lapsus, die immer noch wie ein Hochzeitspaar aussehen, durch das bezaubernde Genville. Ili staunt wie ein Kind.
Estragon erl?utert: "Wir wollten das Prinzip eines gr?sseren Genville-Siedlung erproben, weshalb wir mehr H?user gebaut haben, als wir brauchen. Ihr k?nnt euch also eines aussuchen oder jedes Tag in einem anderen wohnen oder mit Bioskop eines erschaffen, das euch gef?llt."
Beim Anblick eines der H?user ist Ili hin und weg: "Oh, was für ein süsses H?uschen!"
Lapsus, zu Estragon, interessiert: "Sind die H?user pflanzlich?"
Estragon doziert: "Bei dem Herstellung von Organismen müssen wir immer entscheiden, wie viel Bewusstsein sie haben sollen. Als Faustregel gilt: Je mehr Bewegung, desto mehr Bewusstsein. Und da H?user das ganze Tag am selben Ort stehen und nichts anderes zu tun haben, als vorhanden zu sein, haben wir sie als genügsame Pflanzen entwickelt."
Ili lacht: "Und wie w?r's mit einem Haus, das dir das ganze Tag nach rennt, mit dir spricht und dich in die Arme nimmt, wenn du traurig bist?"
Estragon l?sst sich von Ilis Heiterkeit anstecken: "Stell dir vor, alle Geb?ude rennen herum, ein Dr?hnen und Beben, ein Chaos, in dem ab und zu jemand zerquetscht wird."
Ili, kindlich erschrocken: "Aber nein, nicht zerquetschen!"
Lapsus, mit feinem, amüsiertem L?cheln: "Trotzdem w?re es ganz nützlich, wenn die H?user gewisse Funktionen h?tten."
Zielstrebig geht Estragon zu dem H?uschen, das Ili so süss findet. Ili und Lapsus folgen ihm neugierig.
Kaum haben sie das Haus betreten, sagt Estragon zur Tür?ffnung: "Tür zu!"
Innert Sekunden wird die Tür?ffnung kleiner und kleiner, ...
... bis nichts mehr zu sehen ist, was auf eine Tür schliessen l?sst. Ili und Lapsus staunen.
Sie gehen die Treppe hoch und gelangen in einen zauberhaften Wohn- und Schlafraum, der Ili Ausrufe des Entzückens entlockt. Auch der eher nüchterne Lapsus zeigt einen Ausdruck des Erstaunens.
Estragon befiehlt: "Fenster, Glas!"
W?hrend die Fenster?ffnungen mit durchsichtigen Scheiben zuwachsen, erl?utert Estragon: "Falls ihr friert, k?nnt ihr Scheiben wachsen lassen. Und wenn es zu hell ist ..."
Estragon befiehlt: "Fenster, dunkler!"
Die Glasscheiben t?nen sich, sodass es d?mmrig wird im Raum.
Estragon erl?utert: "Und wenn euch immer noch kalt ist ..."
und befiehlt: "Haus, w?rmer!"
Die Temperatur steigt, bis sie zu schwitzen beginnen. Ili und Lapsus k?nnen nur noch staunen.
Estragon befiehlt: "Fenster auf! Haus, kühler!"
Wie sich alles zurück wandelt, sagt Lapsus begreifend: "Aha, ich verstehe. Das Haus hat zwar kein Bewusstsein, aber gewisse Worte erzeugen Reflexe."
Estragon, beipflichtend: "Ja genau. Pflanzen reagieren auf Umwelteinflüsse. Warum sollten sie nicht auf Worte reagieren?"
W?hrend Ili sich mit leuchtenden Augen in dem Raum umsieht, meint Lapsus voller Anerkennung: "Einfach und genial."
Estragon, l?chelnd: "Dann darf ich jetzt zum Besichtigen des Essgartens bitten."
Ili, kindlich begeistert: "Au ja, ich habe Hunger!"
Der Essgarten ist als m?rchenhafter Park gepflanzt worden, was Ili zu ehrfürchtigen "Ah"- und "Oh"-Rufen bewegt.
Estragon führt sie vor einen klein gewachsenen Kirschbaum und erl?utert: "Dieses Kirschbaum ist mein Sch?pfung. Es tr?gt genau 150 Kirschen. Und jedes Kirsche hat ihr eigenes Aroma."
Lapsus, verblüfft: "Das ist, als wüchsen 150 B?ume in einem!"
Ili stürzt sich auf die Kirschen und ruft: "Ich will alle probieren!"
Gierig stopft Ili sich die Kirschen rein ...
... und kaut mit verschmiertem Mund, wobei sie mit vernehmlichem Knacken die Steine gleich mit zermalmt. Ili, mit vollem Mund: "Mmh, ein, abe at."
Estragon muss lachen: "Die Steine musst du ausspucken, Ili!"
Ili staunt ...
... spuckt schalkhaft ein Dutzend Kirschsteine auf den grübelnden Lapsus, ...
... der mit abwehrenden Bewegungen und überraschtem Gesicht in die Wirklichkeit zurückfindet. Ili ruft lachend: "Essen, nicht grübeln, Lapsus! Ihr Forschenden seid doch alle gleich!"
Estragon lacht.
Lapsus, zu Estragon, interessiert: "Und warum hast du die Steine nicht weg gelassen?"
Estragon, Lehrer und Philosoph: "Und wo bleibt dann das Ritual?"
Ili und Lapsus machen ein Fragezeichengesicht.
In vornehmer Haltung w?hlt Estragon mit den Augen eine Kirsche aus, wobei sein Arm schon unterwegs zum Baum ist. Estragon kommentiert: "Suchend schweift dein Auge über das Farbenpracht, um sich das eine auszuw?hlen ..."
Estragon pflückt eine Kirsche und f?hrt fort in seiner Poesie: "... von dessen Geschmack du dich überraschen und verzücken lassen willst ..."
Estragon führt die Kirsche langsam zum Mund, wie oben: "Führst es zu deinen Lippen, die es wie beim Kuss berühren, um es einzusaugen in das Mund, wo Z?hne und Zunge sanft das Fleisch vom Stein sch?len und das süsse Saft in seinem K?stlichkeit dich erschauern l?sst, bevor das zarte Fleisch, dein Zunge streichelnd, sich hinab senkt in das Tiefe deines K?rpers, wo es das Drachen des Hungers bes?nftigt ..."
Estragon tut wie beschrieben und kaut mit geschlossenen Augen genüsslich seine Kirsche, ...
... bevor er fortf?hrt, wie oben: "Nun w?hle ein Flugbahn für das Stein, dessen Eleganz dem Genuss entspricht, und schenke ihm das Kraft deiner Lungen."
Estragon spuckt den Kirschstein aus, der in hohem, elegantem Bogen etliche Meter weit fliegt.
Mit ihrem verschmierten Mund steht Ili da wie ein begossener Pudel und sagt kleinlaut: "Ups, dann war mein Ritual wohl nicht so gut."
Alle drei lachen.

